Sebastian Prödl – mehr als nur eine Alternative im Nationalteam

Seit Wochen präsentiert sich der England-Legionär in absoluter Topform. Beim Sensationssieg gegen Manchester United wurde der Innenverteidiger sogar zum "Man of the Match" gewählt. So lässt Sebastian Prödl Kritiker verstummen und könnte in dieser Form im ÖFB-Team mittelfristig ein ernsthafter Konkurrent für Aleksandar Dragovic werden, der bei Leverkusen oftmals nur zweite Wahl ist.

Nicht selten musste Sebastian Prödl in den vergangenen Jahren Kritik einstecken. Der österreichische Nationalspieler wurde vor allem zu Bremer Zeiten in deutschen Medien häufig als untauglich für die deutsche Bundesliga bezeichnet und konnte sich in seiner Zeit bei Werder nie vollends durchsetzen. Im Sommer 2015 entschied sich der Steirer, vermutlich auch deshalb, für einen Wechsel in die englische Premier League zum FC Watford. Nach einer passablen Premierensaison ist der Abwehrhüne aktuell auf dem besten Weg, sich zu einem unumstrittenen Stammspieler zu entwickeln. Und das nicht ohne Grund, wie die Statistiken zeigen. In den ersten zehn Saisonspielen Watfords war Prödl achtmal über die gesamte Spielzeit auf dem Feld, kam einmal zu einem Kurzeinsatz und wurde am am zehnten Spieltag in der 87. Minute ausgewechselt.

Dabei blieb man dreimal ohne Gegentor und holte starke 15 Punkte. Besonders bemerkenswert dabei ist vor allem die Zweikampfquote des Österreichers, der auf starke 67 Prozent gewonnene Zweikämpfe kommt. Für einen Innenverteidiger ist das ein Wert, der sich durchaus sehen lassen kann. Ein spannender Aspekt ist auch der Umstand, dass Watfords italienischer Trainer Walter Mazzarri sehr häufig mit Dreierkette spielen lässt. Dabei kommt Prödl überwiegend als linker Innenverteidiger zum Einsatz. Eine Variante, der auch ÖFB-Teamchef Marcel Koller in den vergangenen Monaten durchaus mit Sympathie begegnete.

Bei den bisherigen Auftritten der Österreicher in der WM-Qualifikation für Russland 2018 zeigte sich vor allem die Defensive nicht in Topform. In den ersten drei Spiele kassierte man bereits sechs Gegentore. Während man gegen Wales zumindest kaum Torchancen zuließ, sah das in Georgien und vor allem in Serbien ganz anders aus. Die ÖFB-Defensive ließ sich gerade in Belgrad viel zu häufig überrumpeln. Es fehlte schlicht die Balance, um gefährliche Konter abzufangen, was in der so erfolgreichen EM-Quali noch eine große Stärke gewesen war. Auf der Suche nach Erklärungen für diese Problematik kommt man vor allem auf zwei Faktoren, die sich in den vergangenen Monaten geändert haben.

Einerseits ist der Druck auf das Nationalteam nach dem Scheitern bei der EURO in Frankreich erheblich gestiegen. Andererseits, und das ist wohl der wesentlichste Faktor, sind gerade auch wichtige Defensivspieler seit Monaten nicht mehr in der Form vergangener Tage. Was vor allem auf den einst so stabilen Abwehrchef Dragovic zutrifft. Schon in Frankreich präsentierte sich der Neo-Leverkusener nicht von seiner besten Seite. Leider setzte sich das auch in der laufenden Qualifikation fort, was aber kein Wunder ist, fehlt dem Deutschland-Legionär doch seit Wochen die Spielpraxis. Und genau an diesem Punkt kommt Sebastian Prödl ins Spiel, dessen Formkurve sich vor seinen Adduktorenproblemen am absoluten Höhepunkt befand.

Die Stärken des 29-Jährigen sind hinlänglich bekannt. In der Luft eine absolute Macht, zweikampfstark und dazu auch bei Standardsituationen defensiv wie offensiv immens wertvoll. Wenn man dann noch an die Spielweise des kommenden Gegners Irland denkt, der vor allem auf hohe Bälle und Standardsituationen setzt und dort große Stärken hat, ist es keine große Herausforderung mehr, Argumente für einen Startelfeinsatz Prödls aufzuzeigen. Schwächen im Spielaufbau, die der Watford-Legionär hat, sind im Nationalteam wohl kein großes Problem, übernahm diese Rolle zuletzt ohnehin stets Martin Hinteregger. Auch wenn Marcel Koller nicht gerade für große Rochaden bekannt ist, so ist durchaus denkbar, dass auch dieser sich mit einer Abwehrvariante, welche Prödl beinhaltet, befasst. Denn auch bei Defensivspielen sollte die aktuelle Form nicht außer Acht gelassen werden. Und die spricht ja bekanntlich für Sebastian Prödl.