Halbzeitbilanz des ÖFB-Teams in der laufenden WM-Qualifikation

Neue Chance, alte Probleme

Schon vor Beginn war klar, dass es eine schwierige WM-Qualifikation für das österreichische Nationalteam werden würde. Einerseits gab es durch die verpatzte EM einen Knick im Team und andererseits sind drei starke Teams in der Gruppe D dabei, darunter EM-Halbfinalist Wales. Die Ausgeglichenheit in der Gruppe mag nur auf den ersten Blick ein Vorteil sein, doch wenn man sich überlegt, dass die Teams in etwa gleich stark sind und dadurch die Gefahr besteht, dass eine Mannschaft in einen Lauf kommt und dann am Ende nur mehr maximal der Playoff-Platz übrig bleibt, sieht die Sache wieder anders aus. Nichts desto trotz setzte sich das ÖFB-Team dennoch die erfolgreiche Qualifikation zum Ziel.

Zufriedener Auftakt

Wenn man die bisherigen fünf Spiele allesamt beurteilt, dann kommt man auf einen Rückschluss. Nämlich, dass man gegen jeden Gegner das dominantere Team war, aber es an der Psyche haperte. Es passierten sehr viele Unkonzentriertheiten und Fehler, die letztlich die vielen Bemühungen vergebens machten. Zu Beginn ging das gegen Georgien noch gut. Doch auch in Tiflis brachte sich das von Team von Marcel Koller unnötig in die Bedrängnis. Nach einer 2:0-Pausenführung kassierte man ein Gegentor in der 79. Minute und rettete den Vorsprung nur mit Mühe über die Zeit.

Mit Wales trafen die Österreicher im zweiten Match am 6. Oktober auf ein anderes Kaliber. Als frischgebackener EM-Halbfinalist beehrten Gareth Bales und Co. das Ernst-Happel-Stadion in Wien. Beim ÖFB-Team hatte man das Gefühl, dass der EM-Knoten etwas gelöst schien. Zwar geriet man zweimal in Rückstand, doch ein Arnautovic-Doppelpack brachte zumindest einen Punkt. Das Spiel ließ wieder die Zuversicht wachsen. Zwar wäre aufgrund der spielerischen Dominanz mehr möglich gewesen, doch auch mit dem einen Punkt konnte man ganz gut leben.

Enttäuschender Rückfall

Die große Enttäuschung kam aber nur drei Tage später beim Auswärtsmatch in Serbien. Die Defensive war in Belgrad komplett von der Rolle. Obwohl Österreich das Spiel machte und sogar zwei Rückstände egalisieren konnte, nutzen die cleveren Serben die taktischen Fehler der Österreicher beinhart aus und gewannen am Ende mit 3:2. Ganz wichtige Punkte gingen dem ÖFB-Team verloren. Umso frustrierender war, dass man vom spielerischen her überlegen war, aber durch individuelle Fehler und falscher Taktik mit leeren Händen am Ende da stand.

Als ob dem nicht genug gewesen wäre, kassierte Österreich am 12. November im Heimspiel gegen Irland gleich die nächste Niederlage. Wieder war man die tonangebende Mannschaft, doch auch gegen die robusten Iren merkte man die Verunsicherung an. Sobald die 'Boys in Green' ihre wenigen Angriffe starteten, fing das Schwitzen in rot-weiß-rot an. Die Stabilität war nicht vorhanden und so verlor man nach einem Kontertor in der 48. Minute mit 0:1. Damit schien die Qualifikation in weite Ferne gerückt. Irland lag nun als Tabellenerster sechs Punkte vor den Österreichern, Serbien hatte als Zweiter auch schon vier Punkte mehr auf dem Konto.

Lichtblick am Horizont

Das Länderspieljahr 2016 war ein ziemlich verkorkstes. EM-Aus in der Vorrunde, davor schlechte Vorbereitungsspiele und der vierte Platz in der WM-Qualifikation. Von zwölf Matches ging die Hälfte verloren und nur drei wurden gewonnen. Es musste sich also dringend etwas ändern, um die letzte Quali-Chance aufrecht zu erhalten. Im neuen Jahr startete das ÖFB-Team gegen Moldawien dann mit einer neuen 3-4-3-Taktik, spielte viel dynamischer und stabiler, aber aufgrund der Mauertaktik der Gäste gelang erst in der Schlussphase mit zwei Treffern durch Arnautovic und Harnik der wichtige 2:0-Sieg. Aktuell liegt Österreich punktegleich mit Wales und mit jeweils vier Punkten Rückstand auf Irland und Serbien immer noch auf Rang vier in der Tabelle.

Das nächste Spiel am 11. Juni gegen Irland in Dublin wird somit richtungsweisend sein. Das Nationalteam wird nicht drumherum kommen einen Sieg im Aviva-Stadium einzufahren. Nur so wird man die Lücke zu den ersten zwei Plätzen schließen können. Gegen Wales und Moldawien warten zudem zwei weitere Auswärtsspiele bis zum Ende der Quali, gegen Serbien und Georgien tritt Österreich zuhause an. Es gilt den Kopf wieder frei zu bekommen und als Team die Sicherheit zurückzugewinnen. Spielerisch wurde jeder Gegner bestimmt, doch scheiterte es an der Leichtigkeit des Seins. Die Verkrampfung führte zur Unsicherheit, die Unsicherheit führte zu unnötigen Gegentoren. Aus dieser Spirale muss das ÖFB-Team wieder herauskommen. Gegen Moldawien gelang der erste kleine Schritt dazu.

Tabelle Gruppe D:
    G S U N Tore +/-
1. Serbien 5 3 2 0 12:6 11
2. Irland 5 3 2 0 7:3 11
3. Wales 5 1 4 0 8:4 7
4. Österreich 5 2 1 2 8:7 7
5. Georgien 5 0 2 3 4:8 2
6. Moldawien 5 0 1 4 2:13 1

1. Runde: Georgien - Österreich 1:2
2. Runde: Österreich - Wales 2:2
3. Runde: Serbien - Österreich 3:2
4. Runde: Österreich - Irland 0:1
5. Runde: Österreich - Moldawien 2:0