Rücktritte, Ausfälle und eine Brandrede - viel Unruhe im ÖFB-Nationalteam

Am 11. Juni wartet auf das Nationalteam das Final-Spiel in der WM-Qualifikation. Die ÖFB-Elf muss in Irland ran und nach sieben Punkten aus fünf Spielen heißt es "verlieren verboten"! Doch nicht nur die heikle Ausgangslage sorgt für Unruhe im Vorfeld der Partie. Überraschende Rücktritte, bittere Ausfälle (unter anderem fallen Marko Arnautovic und Stefan Ilsanker mit einer Sperre aus, Alessandro Schöpf und Marcel Sabitzer sind verletzt) und ein ungewöhnlich emotionaler Marcel Koller bereiten Sorgenfalten.

Ungewöhnlich emotionaler Marcel Koller

Die Partie gegen Irland ist eine der richtungsweisendsten in der Qualifikation. Im Falle einer Niederlage würde der Traum von der Weltmeisterschaft in Russland wohl platzen. Die Spieler sind sich der Herausforderung zwar bewusst, wenngleich ein wenig die Motivation im Vorfeld des Trainingslagers fehlte. Sebastian Prödl bezeichnete den Spieltermin am 11. Juni in einem Zeitungsinterview als "eine Frechheit von der FIFA", auch andere Spieler zeigten sich in Telefonaten weniger begeistert - so Marcel Koller bei der Pressekonferenz zur Kaderbekanntgabe am 22. Mai.

Der Teamchef reagierte darauf emotional und hielt eine für ihn ungewöhnliche Brandrede. Ein Mitgrund ist auch die Absage von Andreas Ulmer, der auf Abruf für das Quali-Spiel in Dublin steht, aber lieber zu dem Zeitpunkt heiratet. Ein wenig Verständnis ist dabei, da der Linksverteidiger trotz der Baustelle auf seiner Position von Marcel Koller bislang nicht berücksichtigt worden ist - andererseits steht der Termin des Spiels schon lange fest und so stößt das beim Teamchef auf wenig Begeisterung. Emotionen sind menschlich und gehören zum Fußball, bei Marcel Koller, der auch in kritischen Situationen sonst immer ruhig geblieben ist, aber sehr ungewöhnlich.

Überraschende Rücktritte

Denn nicht nur fehlende Bereitschaft die der sonst - zumindest öffentlich - immer ruhige Marcel Koller emotional anspricht lässt die Sorgenfalten wachsen, sondern auch die Rücktritte in den letzten Monaten. Während vor der Europameisterschaft in Frankreich das Team auf den Zusammenhalt setzte, beendeten danach gleich drei Spieler ihre Nationalteam-Karriere.

Kurz nach der EURO gab Christian Fuchs seinen Rücktritt bekannt, nach einem durchwachsenen Start in die WM-Qualifikation folgten ihm zwei Spieler. Goalie Ramazan Özcan hat im März überraschend seine Karriere als aktiver Teamspieler beendet. Außerdem gab Markus Suttner  wegen zu weniger Einsätze seinen Team-Rücktritt bekannt. Ob die Unzufriedenheit im Nationalteam wächst oder die auffällig vielen Rücktritte auch bei einer makellosen Qualifikation passiert wären, kann man schwer beurteilen. Der Druck wird immer größer und ein Marcel Koller der öffentlich seine Mannschaft in einer emotionalen Pressekonferenz kritisiert, ist jedoch etwas Ungewöhnliches. Vielleicht ist das aber genau das Richtige vor der finalen Phase in der Qualifikation - ein Weckruf ans Team. Vor allem vor dem Spiel in Irland, in dem Koller auf viele wichtige Spieler verzichten muss.

Bittere Ausfälle

Am schmerzhaftesten ist der Ausfall von Marko Arnautovic. Der Stoke-Legionär hat sich beim 2:0-Heimsieg über Moldawien die zweite gelbe Karte in der laufenden Qualifikation geholt und darf gegen Irland nicht spielen. Dass Arnautovic einer der wichtigsten Spieler im Team ist, hat der 28-Jährige im März gezeigt als er gegen Moldawien letztendlich den Unterschied ausgemacht hat. Mit einer tollen Aktion erzielte er den erlösenden Führungstreffer. Auch im Testspiel ein paar Tage später gegen Finnland drehte die Mannschaft erst nach der Einwechslung von Arnautovic so richtig auf. Mit drei Toren ist er aktuell Österreichs bester Torschütze in der WM-Quali. In dem wichtigen Spiel gegen Irland auf einen Marko Arnautovic verzichten zu müssen, schmerzt Teamchef Marcel Koller sicher sehr - vor allem wenn noch weitere Spieler fehlen.

So kann Stefan Ilsanker in Dublin auch nicht auflaufen. Genauso wie Arnautovic holte er sich gegen Moldawien seine zweite gelbe Karte ab. Im Mittelfeld sorgte der Leipzig-Legionär in der laufenden Qualifikation immer wieder für Stabilität in der Defensive. Wenn Koller gegen Irland beim 3-4-3 bleibt und auf zwei defensive Mittelfeldspieler verzichtet, dann ist der Ausfall von Stefan Ilsanker verkraftbar. Doch vor allem gegen Irland wäre der Leipzig-Legionär mit seiner Zweikampfstärke eine interessante Option gewesen.

Die Verletzten

Neben den Sperren, gesellt sich auch noch das Verletzungspech dazu. Gleich zwei Stammspieler fallen aus - und auch David Alaba ist fraglich. Alessandro Schöpf hat sich im April einen Kreuzbandeinriss im rechten Knie zugezogen und fällt für das Spiel in Irland aus. Nach der Europameisterschaft in Frankreich entwickelte er sich zum Stammspieler und wäre vor allem nach dem Ausfall von Marko Arnautovic im Mittelfeld ganz wichtig gewesen.

Als wären es nicht schon genug Ausfälle, hat sich auch Marcel Sabitzer  im Mai eine Oberarm-Verletzung zugezogen und ist am 11. Juni in Dublin ebenso nicht dabei. Zudem fallen mit Andreas Lukse und dem Langzeitverletzten Robert Almer die ersten beiden Torhüter aus. Hoffentlich kommt nicht noch ein weiterer Ausfall hinzu - mit David Alaba hat gleich mal der nächste Schlüsselspieler das Auftakttraining leicht angeschlagen verpasst. Der Wiener verspürte einen Stich im Knie. In den nächsten Tagen sollte es bei dem 24-Jährigen hoffentlich besser werden.

Neue Gesichter im Tor?

Auf der Torwart-Position geht Marcel Koller sein Stammpersonal aus. Neben Robert Almer, fällt auch Altachs Keeper Andreas Lukse aus. Nach dem Rücktritt von Ramazan Özcan sind gegen Irland die drei für die Qualifikation vorgesehenen Torhüter nicht dabei. So darf in Dublin wahrscheinlich wieder Heinz Lindner das Tor hüten, doch um den Startplatz kämpfen auch Daniel Bachmann (Hat zuletzt Stoke verlassen und ist auf Vereinssuche) und Markus Kuster (SV Mattersburg), die beide noch kein Spiel im Nationalteam absolviert haben.

Auf alle Fälle hat Marcel Koller eine harte Woche vor sich. Neben der Unruhe rund um das Team, muss er also auch viele erzwungene Umstellungen vor dem Entscheidungsspiel in Irland vornehmen. Doch nicht nur die Fans, sondern auch das Team glaubt an die Qualitäten und möchte mit einem Sieg wieder ein großen Schritt in Richtung Weltmeisterschaft in Russland machen. Ein Sieg, der auf alle Fälle für Ruhe sorgen würde.