PORTRAIT: Teamneuling Maximilian Wöber – Der Shootingstar in der Innenverteidigung

Rekordmann und Teamneuling

Neben dem ebenfalls erstmals einberufenen Russland-Legionär Moritz Bauer war Ajax-Neuzugang Maximilian Wöber die größte Überraschung im österreichischen Nationalteam-Kader für die beiden Matches in der WM-Qualifikation in Wales und gegen Georgien. Nur zwei Tage nach seiner Einberufung wurde auch sein Wechsel zum niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam besiegelt. Der Verkauf vom SK Rapid Wien zu den Niederländern um 7,5 Millionen Euro Ablöse bedeutete einen neuen Rekord in der österrreichischen Bundesliga. Gemeinsam mit dem Slowenen Robert Beric, der im Sommer 2015 von Rapid nach St. Etienne wechselte, ist das 19-jährige Abwehrtalent nun der teuerste Bundesliga-Transfer.

Big in Hütteldorf

Geboren wurde der 1,88 Meter große Verteidiger in Wien. Das Fußballspielen erlernte er schon in frühen Jahren in der Rapid-Akademie. Im Jahr 2014 stieg er im Alter von 16 Jahren von der U16-Mannschaft zur U18 der Hütteldorfer. Nur ein Jahr später folgte der Wechsel zur zweiten Mannschaft der Grün-Weißen. Zum Jahresbeginn 2016 wurde Wöber sogar in die Kampfmannschaft des SK Rapid hochgezogen. Das erste Mal rückte der Linksfuß am 25. Februar 2016 im Sechzehntelfinal-Rückspiel in der UEFA Europa League gegen den FC Valencia in den Fokus. Der damalige Rapid-Trainer Zoran Barisic brachte den gerade erst 18 Jahre alt gewordenen Defensivspieler überraschenderweise über 90 Minuten als Linksverteidiger auf den Platz. Nach der herben 0:6-Niederlage in Spanien hatte das Spiel jedoch keine große Bedeutung mehr und ging auch noch mit 0:4 verloren.

Aufstieg und Neuland

Anfangs der Rückrunde 2015/16 fand sich Wöber noch regelmäßig im Kader der Rapidler wieder, wurde dann aber wieder in die zweite Mannschaft geparkt und verletzte sich zudem gegen Ende der Saison noch an der Leiste. Den Anschluss an die Kampfmannschaft fand er wieder in der Mitte der Saison 2016/17. Im November und Dezember kam Wöber vermehrt zu Einsätzen in der Bundesliga und in der Europa League - zumeist als Innenverteidiger. Nachdem er zu Beginn der Rückrunde noch verletzt fehlte, kehrte er im April wieder auf das Fußballfeld zurück und erkämpfte sich sogar einen Startplatz bei den Wienern. In den ersten fünf Duellen dieser Spielzeit galt Wöber stets als Stammkraft bei Rapid und konnte gleich in der ersten Runde gegen Mattersburg sein erstes Tor in der Bundesliga erzielen.

Am 22. August wechselte der Neo-Legionär dann nach Amsterdam. Am gleichen Tag schied Ajax allerdings im Europa-League-Playoff gegen Rosenborg Trondheim aus und verpasste als letztjähriger Finalist die Gruppenphase im Europacup. Wöber stand klarerweise noch nicht im Kader des 33-fachen Meisters. Jedoch gab er nur drei Tage später sein Debüt in der niederländischen Eredivisie. Gegen VVV Venlo wurde er in der 80. Minute als Linksverteidiger eingewechselt. Die Ansprüche des Rekordmeisters sind wie immer hoch, nichts anderes als der 34. Meistertitel wird in Amsterdam erwartet. Mit einem Vierjahresvertrag bei einem der besten Ausbildungsvereine weltweit ausgestattet, ist Wöber aber bestimmt gut aufgehoben und wird noch seine Chance bekommen sein Können zu zeigen und sich stetig weiterzuentwickeln.

Zukunftshoffnung in Österreichs Defensive

Natürlich blieb sein Talent auch dem ÖFB bislang nicht verborgen. Schon in der U15-Auswahl durfte er zwei Spiele im Jahr 2013 absolvieren. Es folgten weitere Einsätze in jeder Altersstufe bis zur U19 - insgesamt waren es bislang 26 Spiele für alle österreichischen Nachwuchsteams. Die U21 könnte Wöber gleich überspringen und eventuell gleich zu seinem ersten Einsatz beim Nationalteam kommen. Aber selbst wenn es diesmal für keinen Einsatz reichen sollte, die Zukunft gehört ihm - auch aufgrund des jungen Alters. An den etablierten Innenverteidigern, wie Aleksandar Dragovic, Sebastian Prödl oder Martin Hinteregger, ist es derzeit noch schwer vorbeizukommen. Aber diese Spieler werden auch nicht mehr jünger und Alternativen sind mehr als erwünscht, um damit einen Kader-Stillstand wie im EURO-Jahr zu verhindern.

Nachdem Wöber aber auch als linker Außenverteidiger bereits gespielt hat, könnte hier seitens des Betreuerstabes die Überlegung die vakante Position des Linksverteidigers im ÖFB-Team zu besetzen sein. Markus Suttner ist ja bereits zurückgetreten, David Alaba will nicht und das Experiment mit Kevin Wimmer dürfte wieder beendet sein. Die Karriere von Stefan Stangl hat zudem keine guten Verlauf genommen. Die derzeitigen Alternativen sind also dünn gesät, ein Einsatz des Shootingstars in den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Wales und Georgien erscheint somit wahrscheinlich. Das junge Alter ist derzeit noch die einzige Unbekannte, doch Alter schützt vor Leistung nicht. Wir werden uns seine Entwicklung weiterhin im Auge behalten.