Die neue Ära Franco Foda - Was können wir uns erwarten?

Lange war unklar wer neuer Trainer der österreichischen Nationalmannschaft wird. Mit der Zeit sind aber immer mehr Details an die Öffentlichkeit durchgesickert und seit Ende Oktober steht es endgültig fest. Franco Foda ist Österreichs neuer Teamchef. Im mehrtägigen Trainingslager in Spanien ist es zum ersten Kennenlernen zwischen Teamchef und Mannschaft gekommen. Doch was können wir uns von Foda erwarten? Und welche Baustellen erwarten ihn in den kommen Monaten oder Jahren?

Großbaustelle linker Verteidiger

Die größte, oder zumindest die medial und in der Öffentlichkeit vieldiskutierteste, Baustelle ist die Position des linken Verteidigers. Dort fehlten nach den Rücktritten von Christian Fuchs und Markus Suttner in der vergangenen WM-Qualifikation einfach die Spieler. So hat Koller mehrere Varianten - wie Martin Hinteregger, Maximilian Wöber, Kevin Wimmer oder ganz einfach eine Dreierkette - probiert, doch auf die Idee David Alaba dort aufzustellen, wo er bei den Bayern seit Jahren erfolgreich spielt, ist er nicht gekommen.

Unter Koller war Alaba im Mittelfeld gesetzt. Vielleicht ist er im Nationalteam aber dort einfach gut aufgehoben? Schwer zu sagen, denn die Ergebnisse sprechen für sich. Das Team hat zum Abschluss der WM-Qualifikation gegen Serbien und Moldawien gezeigt, dass ein Alaba-Ausfall im Mittelfeld sehr gut kompensiert werden kann.

Der 25-Jährige Wiener gehört einfach zu den weltbesten Linksverteidigern - das zeigt er derzeit auch wieder bei den Bayern unter Jupp Heyneckes. Damit war es für manche einfach fast schon unverständlich, dass er im Team auch nicht auf dieser Position aufgestellt worden ist - vor allem, weil diese derzeit eine sehr große Baustelle im Kader darstellt.

Wie Franco Foda mit dieser Frage umgehen wird, ist eigentlich unklar. David Alaba fällt für das Testspiel gegen Uruguay verletzt aus, damit bliebt alles vorerst weiter offen.

Immerhin hat Foda aber - im Gegensatz zu Marcel Koller - Andreas Ulmer ins Nationalteam einberufen. Unter Marcel Koller hat ja meistens Stefan Stangl den Vorzug bekommen, der ja bei Red Bull Salzburg eigentlich, oder fast schon kurioserweise, der Ersatzspieler von Ulmer ist. Im Team hat es dann bei Stangl ohnehin nur für einen Einsatz gereicht.

Wir erinnern uns aber gerne ans Frühjahr zurück. Da hat Ulmer ja Koller endgültig abgesagt und seine Hochzeit dem Nationalteam vorgezogen. Für das WM-Qulifikationsspiel in Irland Anfang Juni stand der Salzburger ja wieder nur auf Abruf. Bei Ulmer haben in der Länderspielwoche aber stattdessen die Hochzeitsglocken geläutet. Beim Teamchef war der Unmut groß und die Option Ulmer hat sich damit für Koller wieder erledigt.

Foda greift jetzt aber auf die Personalie Andreas Ulmer zurück und zeigt, dass er dem 32-Jährigen Linksverteidiger doch noch eine Chance gibt und vielleicht im Nationalteam als Stammkraft etablieren kann.

Der fehlende Knipser

Fehlende Veränderungen und kein frischer Wind - das muss sich Franco Foda vorerst sicher nicht vorwerfen. Zumindest wenn wir auf seinen ersten Kader blicken. Denn neben Andreas Ulmer in der Defensive, probiert er auch in der Offensive neue Spieler aus. Die zweite große Baustelle im Team ist immerhin der Sturm. Vielleicht scheiterten Österreich und Marcel Koller in der WM-Qualifikation am fehlenden Knipser in der Offensive. Guido Burgstaller kommt im Nationalteam nur langsam in Fahrt. Marc Janko, derzeit weder bei Sparta Prag, noch im Nationalteam gesetzt, hat in der vergangenen Quali auch kaum aufzeigen können.

So setzt Franco Foda auf frischen Wind, oder besser gesagt auf einen frischen Sturm. Denn aus Graz nimmt er seinen Knipser Deni Alar mit, der damit sein Teamdebüt feieren könnte.
Alar selbst ist vor über einem Jahr von Rapid, wo er gegen Ende nicht mehr berücksichtigt worden ist, zu Sturm gewechselt und hat sich dort sofort als richtige Verstärkung in der Offensive herausgestellt. Er fand unter Foda zu alter Stärke zurück. Vielleicht ist es ja das, was das Nationalteam braucht.

Heimische Bundesliga als Zukunftshoffnung

Überhaupt setzt der Neo-Teamchef im Gegensatz zu seinem Vorgänger Marcel Koller vermehrt auf Spieler aus der österreichischen Bundesliga. Im Kader für das Testspiel gegen Uruguay stehen gleich acht Bundesligisten. Stefan Schwab rückt für den verletzten David Alaba ins Nationalteam ein und trifft dort auf seine Rapid-Kollegen Louis Schaub und Philipp Schobesberger.

Neben den Grazern Deni Alar und Stefan Hierländer baut Foda auch auf seinen Sturm-Goalie Jörg Siebenhandl. Daniel Bachmann fliegt damit vorerst aus dem Kader. Mit LASK-Schlussmann Pavao Pervan und Schweiz-Legionär Heinz Lindner matcht sich Siebenhandl um das Einserleiberl, wobei Lindner wohl den Vorzug bekommen wird.

Der Trend zur heimischen Bundesliga zeigt aber, dass Foda gerne auf für ihn bekannte Gesichter setzt. Denn neben Alar, Hierländer und Siebenhandl, kennt er zum Beispiel auch das einberufene Rapid-Trio durch seine langjährige Bundesliga-Erfahrung bereits sehr gut. Der Mix aus Erfahrenen und aufstrebenden Legionären sowie Talenten aus der heimischen Liga bringen vielleicht genau diesen frischen Wind mit sich, der weiter für einen Aufwärtstrend sorgen wird.

Vielleicht ist das auch der richtige Schritt, Spieler in die in der Bundesliga überzeugen schön langsam ans Team heranzuführen - auch wenn es noch nicht für regelmäßige Einsätze reichen wird. Dann sind die jungen Kicker - wenn sie den eigentlich logischen Schritt in eine ausländische Topliga wagen - schon in die Nationalmannschaft integriert und können sich voll auf ihre weitere Entwicklung beim Verein konzentrieren.

Was ist möglich?

Doch um jetzt nicht nur auf die einzelnen Baustellen einzugehen - was ist dem Nationalteam unter Franco Foda zuzutrauen? Die Chance sich für die EM-Endrunde 2020 zu qualifizieren ist groß. Neben der klassischen Qualifikation findet ja auch die UEFA Nations League statt, die einerseits die Testspiele ersetzen soll und andererseits für einen kleinen Turnier-Charakter sorgen wird. Es werden ja im Rahmen der Nations League vier Startplätze für die Europameisterschaft ausgespielt.

Deshalb ist bereits in diesem Lehrgang und im Trainingslager in Spanien der Grundstein für ein erfolgreiches Jahr 2018 wichtig. Auch wenn das erste Pflichtspiel "erst" im September nächstes Jahr ansteht, bis dahin ist kontinuierliches und konsequentes Arbeiten die Voraussetzung.

Fokus auf Passspiel

Marcel Koller hat gute zwei Jahre gebraucht - eigentlich fast die gesamte die WM-Qualifikation 2014 in der Österreich ja knapp gescheitert ist - um seinen eingespielten Stamm zu finden. Unter Foda wird es wohl nicht solange dauern, denn das Stammpersonal ist bereits vorhanden. Doch die Monate die bis zur ersten Bewährungsprobe im Herbst 2018 vergehen, sind eine dankbare Zeit in der das Trainerteam den Rohdiamanten österreichisches Nationalteam in aller Ruhe schleifen kann - ohne medialem Druck und hoher Erwartungshaltung, weil einfach in nächster Zeit keine entscheidenden Pflichtspiele anstehen.

Franco Foda scheint vermehrt auf ein gutes Passspiel zu setzen. Guido Burgstaller hat im Rahmen des Trainingslagers in Spanien nur lobende Worte für den neuen Teamchef gefunden. So bringt Foda neue Methoden und Ansätze ins Training. Und er legt eben großen Wert auf ein passsicheres Aufbauspiel der Mannschaft. Das ist jedoch ein Punkt, der auch unter Koller keine große Probleme bereitet hat.

Talente drängen sich auf

Österreich ist im Großen und Ganzen eigentlich ganz gut aufgestellt. Große Namen, wie zum Beispiel Marco Arnautovic, die schon sehr lange im Nationalteam dabei sind und auch genug aufstrebende Spieler stehen im Kader. Vor allem im Mittelfeld drängen sich neben Arnautovic und Sabitzer auch Florian Kainz, Alessandro Schöpf, Florian Grillitsch sowie die beiden Rapidler Louis Schaub und Philipp Schobesberger auf.

In der Innenverteidigung hat Franco Foda die Qual der Wahl. Er kann auf altbewährte Spieler Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger oder Sebastian Prödl zurückgreifen. Doch dem neuen Teamchef stehen auch viele Talente wie Kevin Danso, Stefan Posch, Philipp Lienhart, Maximilian Wöber oder Kevin Wimmer zur Verfügung. Eigentlich könnte er fast eine ganze Startelf mit vielversprechenden Innenverteidigern füllen. Die Position des rechten Verteidigers ist mit der Einbürgerung von Moritz Bauer übrigens zurzeit auch gut besetzt.

Jetzt liegt es an Franco Foda auf die richtigen Spieler zu setzen und vor allem das passende System für das vorhandene Spielermaterial zu finden - wobei es einfach am besten wäre, wenn er die Spielidee von Marcel Koller übernimmt, zudem natürlich adaptiert und ein wenig seine Handschrift zum Vorschein kommen lässt.

Jetzt hoffen wir, dass die Ära Franco Foda eine genauso erfolgreiche wie die von unserem Lieblingsschweizer Marcel Koller wird. Das Wichtigste wird Geduld sein - und damit auch unser Appell an die Fans. Schenkt unserem Nationalteam und dem neuen Trainerteam euer Vertrauen und unterstützt es auch in harten Zeiten. Dann ist vieles möglich und damit auch wieder die Teilnahme an einer Endrunde.