PORTRAIT: Peter Zulj - Die Überraschung im ÖFB-Teamkader

Auf große Überraschungen verzichtete Franco Foda bei seinem zweiten Kader als Teamchef für das Länderspiel-Doppel gegen Slowenien und Luxemburg. Mit einer einzigen Ausnahme: Peter Zulj. Der Kicker, der unter Foda in der Hinrunde der österreichischen Bundesliga bei Sturm Graz groß aufspielte, durfte sich über seine erste Nominierung im Kader des ÖFB-Teams freuen. Sein jüngerer Bruder Robert Zulj, Deutschland-Legionär bei der TSG Hoffenheim, kam bereits in den Genuss einer Nominierung, wurde aber im Mai 2014 beim Testspiel gegen Island vom damaligen Teamchef Marcel Koller nicht eingesetzt. Ob ein Teameinsatz nun dem älteren Bruder gelingt, werden wir in den nächsten Tagen erfahren.

Ein Aufstieg in Schwarz

 

Der Mittelfeldspieler hatte in seiner bisherigen Karriere noch nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie sein Bruder erfahren. Seine Karriere stieg unauffällig aber beständig in den letzten Jahren. Mit dem Wechsel zu Sturm im letzten Sommer gelang dem 24-Jährigen ein Durchbruch in der Karriere. Auch wenn er in den letzten Jahren reichlich an Bundesliga-Erfahrung gewinnen konnte, stand er noch nicht wirklich im Rampenlicht des österreichischen Fußballs. Vor seiner Zeit bei den Grazern hatte Zulj bereits 87 Bundesliga-Spiele für drei verschiedene Teams in den Beinen und konnte dabei insgesamt 14 Tore erzielen.

 

Die Aufmerksamkeit der Grazer erlangte der gebürtige Welser nach einer starken Saison mit der SV Ried in der Spielzeit 2016/17. Auch wenn die Innviertler in der letzten Saison abstiegen, so zeigte Zulj in 33 Ligaspielen seine Leistung und war mit sechs Treffern sogar bester Torschütze seines Teams. Da sein Vertrag nur für die Bundesliga galt, schnappten sich dann die Steirer den ehemaligen Nachwuchs-Teamspieler und statteten ihn mit einem Dreijahresvertrag aus. Mit Ried gab es später ein Zerwürfnis, da Finanzvorstand Roland Daxl behauptete, dass Zulj in der Schlussphase der letzten Runde "Pfeif ab, weil dann bin ich kostenlos frei!" zum Schiedsrichter gesagt haben soll.

Die Zeit in Oberösterreich ist aber Geschichte, für Zulj zählt die Gegenwart beim SK Sturm, die sehr erfolgreich verläuft. Nach dem Gewinn der Herbstmeisterschaft liegen die 'Blackies' nach 27 Runden acht Punkte hinter Salzburg auf dem gesicherten zweiten Tabellenplatz und nehmen damit Kurs auf die Champions-League-Qualifikation. Zulj stand bis auf die Partie gegen den WAC, in der gelbgesperrt war, immer am Feld. Auch im ÖFB-Cup ist Sturm noch im Halbfinale vertreten, gegen Rapid geht es im April um den Finaleinzug. In insgesamt 33 Pflichtspielen (Bundesliga, ÖFB-Cup, Europa-League-Quali) gelangen ihm bislang sieben Tore und neun Vorlagen.

Ein Anfang in Grün-Weiß

In seiner Jugend spielte der Linksfuß bei drei verschiedenen Akademien. Von Red Bull Salzburg ging es nach Linz und danach zum SK Rapid Wien. Von 2009 bis 2014 stand er bei den Hütteldorfern unter Vertrag. Zunächst für ein Jahr beim U17-Kader ging es dann als erst 16-Jähriger zur zweiten Mannschaft in die Regionalliga Ost hinauf. In seiner Zeit bei den Grün-Weißen wurde er insgesamt drei Mal weiterverliehen. Beim SV Grödig und beim TSV Hartberg konnte Zulj mit Einsätzen in der Ersten Liga sogar Erfahrung in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs sammeln. Nach einer starken Hinrunde 2013/14 mit den Hartbergern sicherte sich dann der Wolfsberger AC im Jänner 2014 für eine Ablöse von 100.000 € seine Dienste.

Zulj wurde sofort Stammspieler und konnte gleich in seinem ersten Bundesliga-Match ein Tor und einen Assist beim 3:2-Sieg gegen Wacker Innsbruck beisteuern. In der darauffolgenden Saison machte er bei den Kärntnern dort weiter, wo er aufgehört hatte. Mit 27 Einsätzen und fünf Toren hatte er großen Anteil am fünften Endrang in der Bundesliga-Tabelle, der gleichzeitig auch die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation bedeutete. Im darauffolgenden Europacup spielte Zulj aber nur die letzte Viertelstunde beim Rückspiel gegen Borussia Dortmund in der 3. Quali-Runde.

Drei Wochen nach diesem Match folgte dann der Wechsel zu Ligakonkurrent Admira Wacker. Bei den Mödlingern wurde er aber nicht glücklich, nur acht Spiele und ein Treffer sprangen heraus. In der Rückrunde stand er dann auch meist nicht mehr im Kader der Admiraner. Nach nur einer Saison ging man wieder getrennte Wege und so zog es ihn im Sommer 2016 nach Oberösterreich zur SV Ried. Der Rest der Geschichte mit Abstieg, Zerwürfnis und Wechsel nach Graz wurde bereits erwähnt.

Eine Zukunft in Rot-Weiß-Rot?

Der Oberösterreicher hat auch in den Nachwuchs-Auswahlen des ÖFB bereits einige Spiele bestritten. Bei Freundschaftsspielen kam er zu drei Einsätzen für die U17 im Jahr 2009 und zu einem für die U19 im Jahr 2011. Beim U21-Team durfte er sogar ein Mal in der EM-Qualifikation spielen, die 1:3-Heimniederlage gegen Albanien am 5. März 2014 war auch sein bislang letztes Spiel im ÖFB-Dress.

Das könnte sich nun also ändern, doch wird Zulj im defensiven und zentralen Mittelfeld an den starken Kontrahenten vorbeikommen? Die Konkurrenz dort ist sehr groß und prominent. Es wird sehr schwierig, um die arrivierten Spielern zu verdrängen. Es ist für Zulj sicher eine wertvolle Erfahrung die Teamluft zu schnappen und eventuell zu Einsatzminuten zu kommen. Sein Vorteil ist, dass er ähnlich wie Florian Grillitsch im Mittelfeld flexibel einsetzbar ist, sowohl im offensiven als auch im defensiven Bereich. Gerade im zentralen Mittelfeld ist nach dem Rücktritt von Zlatko Junuzovic eine kleine Lücke entstanden, die bis jetzt noch keiner erben konnte. Da Zulj gerne auch den Ball führt und das Spiel an sich zieht, könnte ihm diese Position entgegenkommen.

Diese Rolle als Achter könnte Zulj im Team einnehmen, doch seine Entwicklung muss weiterhin nach oben zeigen. Es muss nicht zwingend ein Wechsel in eine stärkere Liga erfolgen, auch mit starken Leistungen bei Sturm könnte für ihn das Tor zum Nationalteam offen gehalten werden. Louis Schaub zeigt es vor, dass man auch als Spieler in der österreichischen Bundesliga sein Können im ÖFB-Dress unter Beweis stellen kann. Zuljs Vertrag bei den Grazern läuft noch bis Sommer 2020, sein Ziel war es langfristig beim dreifachen österreichischen Meister zu bleiben. Mal sehen ob und wann die ersten Vereine in Zukunft bei ihm anklopfen werden.