PORTRAIT: Cican Stankovic - Die starke Nummer zwei der Salzburger

"In der Wohnung habe ich immer Fußball gespielt und alle Gläser zerschossen. Dann haben meine Eltern gesagt, dass ich unbedingt auf den Platz muss", erinnert sich Cican Stankovic in einem Video von SVHornTV zurück. Im Alter von fünf Jahren fährt ihn seine Mutter zum Training des SV Pressbaum. Die Familie Stankovic ist zu diesem Zeitpunkt gerade von Bosnien und Herzegowina nach Österreich gezogen. Schon früh zeigt sich das Talent des heute 25-Jährigen, seine ehemalige Lehrerin rät ihm nach der Volksschule in die Sporthauptschule Tulln zu wechseln. Während die Eltern zuerst skeptisch sind, ist die Pädagogin vom Erfolg ihres Schülers überzeugt. Neben dem FC Tulln spielt Stankovic noch für den SV Königstetten und den SC Muckendorf.

Im August 2008 wechselt der Torhüter in die Jugend des SV Horn und wohnt dort zwei Jahre lang im Internat. Mit 17 Jahren kommt er in die erste Mannschaft der Waldviertler, die zu diesem Zeitpunkt in der Regionalliga Ost spielen. Sein Debüt gibt Stankovic am 14. März 2010 beim 3:0-Heimsieg gegen den SV Würmla. Einen Stammplatz bekommt der Schlussmann ab dem September 2011. Der SV Horn gewinnt die Meisterschaft in der Regionalliga Ost und sichert sich durch zwei Siege in der Relegation gegen den WSG Wattens den Aufstieg in die zweite Bundesliga.

In der zweiten Liga kommt Stankovic in 34 von 36 Spielen zum Einsatz. Nach der Spielzeit folgt ein Wechsel zum SV Grödig, der zuvor in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Ab dem 12. Spieltag ist Stankovic Stammtorhüter, zieht sich aber gegen Ende der Saison einen Mittelhandbruch zu. Am Ende der Spielzeit sichert sich Aufsteiger Grödig den dritten Platz und nimmt an der Qualifikation für die UEFA Europa League teil. Durch seine starken Leistungen wird Stankovic in das U21-Nationalteam einberufen. Beim 1:0-Testspielerfolg gegen Tschechien hütet der Schlussmann eine Halbzeit lang das Tor und feiert somit sein Debüt. Insgesamt kommt der Tormann auf drei Einsätze für die U21. Da Stankovic neben der österreichischen auch die serbische Staatsbürgerschaft besitzt hätte er auch für die Südosteuropäer spielen können. Auch in der folgenden Spielzeit bleibt der Schlussmann die Nummer eins bei den Grödigern, am Ende der Saison wird er mit dem Titel "Torhüter der Saison" ausgezeichnet. Bei den Flachgauern steht Stankovic 61 Mal im Tor, 15 Mal hält er seinen Kasten sauber.

Im Sommer 2015 folgt der Wechsel zum FC Red Bull Salzburg, der Transfer wird allerdings schon Ende August 2014 bekannt gegeben. "Es waren auch Angebote aus dem Ausland dabei, dennoch habe ich mich für Österreich entschieden. Salzburg gibt mir eine bessere sportliche Perspektive", erzählt der Tormann im Interview mit SALZBURG24 im November 2014. In fünf der ersten sechs Saisonspiele steht Stankovic in der Startelf der Roten Bullen. Nach zwei Niederlagen und zwei Patzern beim 2:2 gegen die Admira wird der Schlussmann vom damaligen Bullen-Trainer Peter Zeidler auf die Bank gesetzt. Für ihn übernimmt nun Alexander Walker, der bis heute in den meisten Partien das Tor der Salzburger hütet. Sein Verhältnis zum Deutschen beschreibt der Tormann, bei einem Fußballstammtisch im November 2017, als normal und professionell. In seiner Debütsaison bei den Salzburgern kommt Stankovic danach noch auf vier Einsätze, ebenso viele Siege gibt es in diesen Partien.

Auch in der Saison 2016/17 ändert sich nicht viel für den Schlussmann, nur neun Einsätze absolviert er in der ganzen Spielzeit. Immerhin im ÖFB-Cup ist Stankovic die Nummer eins, das Finale gewinnen die Salzburger mit 2:1 gegen den SK Rapid Wien. In der abgelaufenen Saison erhält der Schlussmann von Trainer Marco Rose mehr Einsatzzeit. 18 Mal steht Stankovic im Tor der Salzburger und damit sooft, wie in den vergangenen zwei Spielzeiten zusammen. Trotz seiner Situation und der Aufmerksamkeit anderer Vereine bleibt er in Salzburg. "Es gab Interesse aus Holland, aber der Trainer hat mir gesagt, dass er mich behalten will und mir auch Spiele geben würde. Das hat er auch getan. Ich habe immer noch das Ziel, mich hier durchzusetzen", erzählt Stankovic bei einem Fußballstammtisch.

Besonders im Cup zeigt sich der 25-Jährige als starker Rückhalt. Im Halbfinale zeigt Stankovic in der regulären Halbzeit mehrere gute Paraden, zusätzlich hält er einen Strafstoß von Smail Prevljak. Im Elfmeterschießen eliminiert der Tormann zwei Versuche der Burgenländer, der dritte geht über das Tor. "Stankovic hat es verdient, dass er heute gespielt hat. Er hat bereits in der Hinrunde gezeitgt, wie wichtig er für uns sein kann. Wir haben zwei gute Torhüter, 'Cic' hatte heute einen herausragenden Tag", lobt ihn Rose nach dem Spiel. Stankovic wird "Man of the Match" und auch im Pokalfinale gegen den SK Sturm Graz ist er der beste Salzburg-Spieler. Wie schon gegen Mattersburg rettet der Torhüter seine Mannschaft mit zahlreichen guten Aktionen in die Verlängerung, ist dann aber in der 112. Minute beim Tor von [spielerprofil spieler="Stefan Hierländer"] machtlos. Salzburg verpasst das fünfte Double in Folge, was allerdings nicht an Stankovic liegt. In seiner bisherigen Zeit bei den Roten Bullen gewinnt der Schlussmann dreimal die Meisterschaft und zweimal den ÖFB-Cup.

Stankovic ist reaktionsschnell, zeigt sich stark auf der Linie und in 1:1-Situationen. Außerdem verfügt der Tormann über eine gute Sprungkraft und tolle Reflexe.