Gegner-Porträt Schweden: Eine positive Bilanz

Auch für Schweden ist der Test am Donnerstag gegen Österreich das letzte Vorbereitungsspiel vor dem Start in die UEFA Nations League, die Schweden in Gruppe B in Angriff nimmt. 12termann hat für euch den Testgegner genauer unter die Lupe genommen.

Erfolge des Nationalteams

Das schwedische Nationalteam brachte bei den meisten großen Turnieren konstant gute Leistungen, der ganz große Wurf blieb bislang aber aus. Als größte Erfolge hat Schweden einen dritten Platz bei den Weltmeisterschaften 1950 und 1994 zu verzeichnen. Highlight war aber der Vize-Weltmeistertitel 1958 bei der Heim-WM in Schweden, als man nur das Finale gegen Brasilien (mit dem damals 17-Jährigen Pelé) verlor. Schweden nahm bisher elfmal an Weltmeisterschaften teil, stand dabei viermal im Halbfinale und einmal im Finale.

Ein weiteres Highlight für die Schweden war das EM-Halbfinale 1992 in Dänemark, als das Team im Halbfinale an Deutschland scheiterte. 2004 erreichte man das Viertelfinale und schied dort gegen den späteren Finalist Portugal aus. Seitdem ist Schweden regelmäßiger EM-Endrunden-Teilnehmer, kam aber nicht mehr über die Vorrunde hinaus. Zwischen 2006 und 2018 konnte sich das Team nicht für eine WM- Endrunde qualifizieren.

Bei der Weltmeisterschaft 2018 stieß Schweden überraschenderweise bis ins Viertelfinale vor. In der Qualifikation für das Turnier eliminierte das Team von Janne Andersson im Play-Off Italien. Bei der Endrunde in Russland konnte sogar der Gruppensieg eingefahren werden, und zwar mit sechs Punkten nach Siegen gegen Südkorea (1:0) und Mexiko (3:0). Im Achtelfinale erreichte Schweden ein knappes 1:0 gegen die Schweiz, verlor allerdings im Viertelfinale mit 0:2 gegen die mitfavorisierten, in diesem Match aber insgesamt harmlosen Engländer. Insgesamt war daher wohl eher das Losglück und ein gutes Kollektiv für den Einzug ins Viertelfinale verantwortlich.

Spieler und Trainer

Schweden belegt in der FIFA Weltrangliste Platz 13 und liegt damit 10 Ränge vor Österreich (derzeit 23.). Nach dem Rücktritt von Zlatan Ibrahimovic (mit 61 Treffern in 107 Spielen der Rekordtorschütze) dominiert in Schwedens Nationalteam eher das Kollektiv, richtige Stars fehlen weitgehend. Rekordnationaler ist Anders Svensson mit 147 Einsätzen. Der Kader hat einen Altersdurchschnitt von 28 Jahren. Der Gesamtmarktwert des Kaders beträgt 113 Mio EUR, im Vergleich zu Österreich aktuell die Hälfte (230,5 Mio EUR). Auch was den Marktwert einzelner Spieler betrifft, liegt Österreich vorne (David Alaba, 50 Mio EUR), Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer jeweils 25 Mio EUR). Spitzenreiter im schwedischen Kader in Punkto Marktwert sind Innenverteidiger Victor Lindelöf (Manchester United, 25 Mio EUR) sowie Emil Forsberg (RB Leipzig, 25 Mio EUR). 22 der 24 Kaderspieler sind Legionäre.

Trainer Janne Andersson ist seit Juni 2016 im Amt und verjüngte die Mannschaft seit 2016 um einiges. Unter der Regie des 55-Jährigen absolvierte das Team bislang 28 Spiele und trug dabei 14 Siege, 6 Unentschieden und 8 Niederlagen davon – eine durchaus positive Bilanz. International muss sich Andersson allerdings erst beweisen: Er coachte unter anderem Halmstad BK (2004 bis 2009 Cheftrainer), Örgryte IS (2010) und IFK Norrköping (2011 bis 2016), wo er 2015 auch die schwedische Meisterschaft holte. Andersson lässt vorwiegend mit einem klassischen 4-4-2 System mit zwei defensiveren Mittelfeldspielern spielen. Dafür sind die Flügel meist offensiver ausgerichtet.

Das größte Manko des schwedischen Kaders ist wohl, dass ein klassischer Torjäger fehlt. Verzichten müssen die Schweden im Test gegen Österreich auf den seit der EM 2016 gesetzten Stammtorhüter Robin Olsen, der derzeit an einer Wadenverletzung laboriert. Der fast zwei Meter große 28- Jährige wechselte erst im Sommer für eine Ablöse von 8,5 Mio EUR vom FC Kopenhagen zu den Römern und ist damit der teuerste schwedische Keeper aller Zeiten. Bei Roma ist er bereits die Nummer eins und war diese Saison dreimal in der Serie A über 90 Minuten im Einsatz. Für ihn rückt wohl Kristoffer Nordfeldt (Swansea) in die Startelf.

Die Innenverteidigung bilden der 33-jährige Routinier und Kapitän Andreas Granqvist (Helsingborg/77/8), sowie der 24- Jährige Victor Nilsson Lindelöf (Manchester United (25/1). Links außen ist Ludwig Augustinsson (Werder Bremen) gesetzt, rechts überzeugte bei der Weltmeisterschaft vor allem Emil Krafth (Amiens SC Amiens). Als Backup stehen die Routiniers Mikael Lustig (Celtic Glasgow/70/6) und Martin Olsson (Swansea/45/5) zur Verfügung.

Im Mittelfeld sticht vor allem Leipzigs Linksaußen Emil Forsberg heraus (RB Leipzig/41/7), aktuell wohl der wertvollste Spieler in den Reihen der Schweden. Auch er ist allerdings derzeit verletzt und daher im Test gegen Österreich nicht im Kader. Sebastian Larsson (AIK Stockholm/104/6) und Albin Ekdal (Sampdoria/39/0) sichern das Mittelfeld nach hinten ab.

Im Angriff dürfte lediglich Marcus Berg (Al Ain/62/18) den meisten ein Begriff sein. Der 32-Jährige ist mit 18 Teamtreffern aktuell der beste noch aktive Torschütze im Team. Er war unter anderem beim Hamburger SV, PSV Eindhoven und Panathinaikos Athen unter Vertrag. Aktuell spielt Berg bei Al-Ain FC in der UAE Gulf League (Vereinigte Arabische Emirate).

Bilanz gegen das ÖFB-Team

Österreichs Bilanz gegen Schweden ist insgesamt positiv: Bislang wurden 35 Spiele ausgetragen, wovon Österreich 17 Mal als Sieger vom Platz ging. 12 Siege für Schweden sowie sechs Unentschieden stehen außerdem zu Buche. Besonders in Erinnerung bleibt wohl die letzte Begegnung am 8. September 2015 in Solna: Dort fixierte das österreichische Team mit einem 4:1-Kantersieg die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016. Legendär auch die WM-Qualifikation 1998, als am 06. September 1997 in Wien mit einem 1:0 Sieg über die Drei Kronen (Tor: Andi Herzog) die WM-Teilnahme fixiert werden konnte. Insgesamt dominieren daher die positiven Erinnerungen an den Länderspielgegner Schweden.

Fazit: Österreich hat gute Chancen

Für Donnerstag ist eine enge Partie zu erwarten, wobei die Österreicher momentan vielleicht sogar stärker einzuschätzen sind. Grund dafür ist vor allem die vermutlich größere Qualität der Einzelspieler und dass die Schweden auf einige Stammkräfte verzichten müssen. Dass Schweden allerdings nach wie vor ein gutes Kollektiv hat, konnte das Team bei der WM 2018 zeigen. Zlatan Ibrahimovic ging ihnen dort jedenfalls nicht ab. Einen Sieg gegen das ÖFB-Team zu holen wird aber trotzdem schwer, weil die Österreicher bis auf Baumgartlinger fast in Vollbesetzung auflaufen.