Österreichs Quali-Auftaktgegner Polen: Geballte Offensivpower

Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 beginnt für Österreich am Donnerstag mit dem Spitzenspiel daheim gegen Polen. Die ÖFB-Elf trifft im Ernst-Happel-Stadion in Gruppe G damit erstmals seit der EURO 2008 wieder auf die Polen. Es könnte gleich ein erstes vorentscheidendes Duell um den Gruppensieg werden. Immerhin zählen Österreich und Polen zu den Favoriten auf Platz eins. Die Gäste reisen jedenfalls mit einer unglaublich starken Offensive nach Wien - auch wenn die Weltmeisterschaft 2018 für die Biało-Czerwoni ("Die Weiß-Roten") zum Vergessen war.

Millionensturm

Robert Lewandowski, AC Milans Shooting-Star Krzysztof Piątek oder die Napoli-Teamkollegen Arkadiusz Milik und Piotr Zieliński - alleine die vier Spieler haben laut transfermakt.at zusammen einen Marktwert von 185 Millionen Euro. Dass alle drei Mittelstürmer von Beginn an Spielen werden, wird eher nicht eintreten, aber alleine nur einer der Top-Stürmer Lewandowski, Piątek und Milik könnte das Spiel gegen Österreich fast im Alleingang entscheiden. In der UEFA Nations League im Herbst 2018 setzte Teamchef Jerzy Brzęczek abwechselnd auf eine Solospitze mit Lewandowski bzw. Milik oder auf eine Doppelpitze mit Beiden.

Gegen Österreich ist ein Sturm-Duo mit Teamkapitän Lewandowski und Piątek, der in der Serie A in unglaublicher Torlaune ist, denkbar. Der 23-Jährige erzielte seit seinem Wechsel von Genua zum AC Milan im Februar acht Tore in zehn Spielen. Auf Österreichs Defensive wartet ein unglaublich harter Arbeitstag. Nur eine Unachtsamkeit könnte das Spiel zugunsten Polens entscheiden. Ein weiterer Stürmer aus der Serie A fehlt derzeit mit einem Leistenbruch. Łukasz Teodorczyk, der bei Udinese Calcio unter Vertrag steht, verletzte sich Ende Oktober.

Namhaftes Mittelfeld

Auch im Mittelfeld ist Polen mit Piotr Zieliński stark aufgestellt. Der offensive bzw. zentrale Mittelfeldspieler erzielte in 41 Länderspielen sechs Tore und lieferte acht Assists. Im Sommer 2018 wurde der 24-Jährige sogar mit Bayern München in Verbindung gebracht, doch der Mittelfeldmotor blieb bei Napoli. Neben Zieliński zählt auch der defensive Mittelfeldspieler Gregorz Krychowiak zu den wichtigen Spielern im Kader der Polen - auch wenn es für ihn auf Vereinsebene zuletzt nicht nach Plan lief. Der 29-Jährige wechselte 2016 von Sevilla zu Paris Saint-Germain. Bei der französischen Startruppe konnte er sich aber nicht durchsetzen und ist derzeit an Lok Moskau verlieren. Im polnischen Nationalteam ist Krychowiak aber eine wichtige Stütze.

Natürlich dürfen wir im Mittelfeld nicht auf Jakub Błaszczykowski vergessen. Er hat sich als Meister mit Borussia Dortmund einen Namen gemacht, spielte in den letzten Jahren aber auch bei AC Florenz und beim VfL Wolfsburg. Derzeit steht er in seiner Heimat bei Wisła Krakau unter Vertrag. Wisła rettete er im Winter mit einer tollen Geste vor dem Konkurs. Er wechselte nach Krakau (Winter stand er bei keinem Verein unter Vertrag), unterstütze den Verein finanziell und spielt derzeit für umgerechnet 116 Euro pro Monat beim 13-fachen polnischen Meister. Im Nationalteam hat "Kuba" zuletzt seinen Stammplatz verloren, könnte aber ein wichtiger Joker werden. Vor allem, da er zuletzt mit Wisła Spielpraxis in der polnischen Ekstraklasa gesammelt und zuletzt auch getroffen hat.

In der Verteidigung haben die Polen abgesehen von AS Monaco-Verteidiger Kamil Glik keine großen Namen - BVB-Rechtsverteidiger Łukasz Piszczek ist letztes Jahr aus der Nationalmannschaft ausgetreten. Dafür haben die Biało-Czerwoni ein viel versprechendes Talent im Kader - nämlich den FC Southampton-Innenverteidiger Jan Bednarek. Ralph Hasenhüttl, der Bednarek bei den Saints trainiert, schwärmte zuletzt vom 22-Jährigen. Er sei in eins gegen eins-Duellen stark und strahle am Ball eine Ruhe aus, so Hasenhüttl in einem Interview im Februar. Fans sehen Bednarek sogar als möglichen Ersatz von Virgil van Dijk, der ja vor seinem Wechsel zu Liverpool bei Southampton groß geworden ist und eine Lücke in der Defensive der Saints hinterlassen hat.

Enttäuschendes Jahr 2018

Die Nummer eins im Tor der Polen ist weiterhin ein alter Bekannter. Wojciech Szczęsny hütete jahrelang das Tor bei Arsenal, derzeit ist er Einsergoalie bei Juventus Turin. Die Qualität ist bei den Polen also auf jeder Position groß - ob im Tor, in der Defensive oder eben im Sturm. Was auf dem Papier steht ist das Eine, was auf dem Platz passiert, ist aber bekanntlich eine andere Sache.

Denn letztes Jahr enttäuschten die Polen bei der Weltmeisterschaft in Russland und auch in der UEFA Nations League. Bei der WM schieden die Polen noch unter Ex-Teamchef Adam Nawałka in einer machbaren Gruppe mit Japan, Senegal und Kolumbien als Gruppenletzter aus. In der Nations League stiegen die Polen aus der obersten Division ab - gegen Portugal und Italien gelang kein einziger Sieg. Außerdem sind die Polen unter Jerzy Brzęczek, der seit Sommer 2018 Teamchef ist, noch sieglos. In sechs Spielen gelang kein Erfolg, der letzte Sieg wurde in der WM-Gruppenphase gegen Japan gefeiert.

Auch wenn die Polen letztes Jahr ihre großen Qualitäten nicht oft unter Beweis gestellt haben, auf Österreich wartet mit dem Weltranglisten-20. ein unglaublich starker Gegner zum Quali-Auftakt. Es werden auch viele polnische Fans im Stadion erwartet. Neben der patriotischen Fans, die aus Polen anreisen, werden auch viele in Österreich lebende Polen die Mannschaft rund um Robert Lewandowski untersützen.

Österreich vs. Polen - die Bilanz

Das letzte Duell beider Mannschaften hat es in der Gruppenphase von Österreichs Heim-EURO 2008 gegeben. Damals glich [spielerprofil spieler=" Ivica Vastic"] im Ernst-Happel-Stadion in der Nachspielzeit zum 1:1-Endstand aus. Letztendlich schied Österreich aber genauso wie Polen nach der Gruppenphase aus. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 verlor Österreich beide Gruppenspiele gegen Polen (1:3/h & 2:3/a). Das waren die einzigen Duelle der Teams auf Pflichtspielebene - zusätzlich hat es noch fünf Länderspiele zwischen Österreich und Polen gegeben. Den letzten Länderspielsieg gegen die Biało-Czerwoni feierte die ÖFB-Elf im Mai 1994.

Die Bilanz Österreichs gegen Polen: 8 Spiele - 3 Siege (zwei davon daheim) - 1 Remis - 4 Niederlagen - 17:18 Tore