ISRAEL: Die Mannschaft von Rekordnationalspieler Andreas Herzog

Nach dem 0:1 gegen Polen zum Auftakt der European Qualifiers geht es für Österreich gegen Israel weiter. Ein unangenehmer Gegner, denn Teamchef der Israelis ist seit August 2018 Rekordnationalspieler Andreas Herzog. Seine Verpflichtung wurde im Land zuerst kritisch gesehen, hat der 50-Jährige in seiner aktiven Karriere vier Tore gegen die Israelis erzielt. Inzwischen sind die Kritiker verstummt und Herzog wird von den Fans geliebt. Unterstützt wird der Rekordnationalspieler von den Österreichern Klaus Lindenberger (Torwarttrainer), Willi Ruttensteiner (Technischer Direktor) und Ex-Schwimmstar Markus Rogan (Mentalcoach). Zum Auftakt in der EM-Quali gab es für die Israelis ein 1:1 gegen Slowenien. Kurios: Mit Bibras Natcho, Eran Zahavi, Beram Kayal und Tomer Hemed stehen nur vier Spieler im Kader, die mehr als 25 Länderspiele absolviert haben.

Stammtormann zuletzt ohne Spielpraxis

Im Tor ist Ariel Harush die klare Nummer eins, zumindest in der Nationalmannschaft. Nur ein Länderspiel unter Herzog hat der 31-Jährige nicht bestritten, insgesamt streifte er sich 16 Mal das Trikot der Nationalmannschaft über. Bei seinem Verein Hapoel Beer Sheva (amtierender Meister in Israel) musste Harush die letzten sieben Spiele auf der Bank Platz nehmen. Yoav Gerafi (FC Ashdod) und Ofir Marciano (Hibernian FC) komplettieren das Torhüteraufgebot.

Der Fünf-Mann-Riegel

In der Verteidigung hat Herzog seine Stammformation gefunden. Taleb Tawatha (Eintracht Frankfurt), Sheran Yeini (Maccabi Tel Aviv), Loai Taha (Hapoel Beer Sheva), Ben Harush (KSC Lokeren) und Eli Dasa (Maccabi Tel Aviv) sind die fünf Akteure, die das Vertrauen des 50-Jährigen bekommen. Zusammen kommt die Abwehrreihe auf 78 Länderspiele, was einen Durchschnitt von 15,6 Partien pro Spieler macht. Bis auf Tawatha, der fast nur auf der Bank oder Tribüne Platz nehmen muss, sind seine vier Kollegen alle Stammspieler bei ihren Vereinen. Torgefahr geht von den Verteidigern in der Nationalmannschaft so gut wie keine aus, nur Tawatha bringt es auf ein Tor und zwei Assists im Teamtrikot. Als Ersatz stehen Hatem Abd Elhamed (Hapoel Beer Sheva) und Ayed Habashi (Maccabi Haifa) zur Verfügung.

Drei Akteure in der Zentrale

Auch für das Mittelfeld hat der Teamchef aus Österreich seine Spieler gefunden. Bibras Natcho (Olympiakos Piräus), Dor Peretz (Maccai Tel Aviv) und Beram Kayal (Brighton & Hove Albion) bilden die Reihe zwischen den Stürmern und den Verteidigern. Mit 56 Einsätzen (ein Tor, 13 Assists) ist Natcho der Spieler mit den meisten Einsätzen für sein Land im aktuellen Kader. Natcho und Peretz sind bei ihren Vereinen gesetzt, während Kayal in den letzten Partien immer öfter von der Bank aus zusehen musste. Alle drei Mittelfeldspieler sind variabel einsetzbar, können in der Zentrale, in der Defensive oder in der Offensive spielen. Das Aufgebot komplettieren Nir Bitton (Celtic Glasgow), Dan Glazer (Maccabi Tel Aviv), Almog Cohen (FC Ingolstadt 04), Dia Saba (Guangzhou R&F) und Dor Micha (Maccabi Tel Aviv).

Sturm-Duo mit einem bekannten Gesicht

Der bekannteste und teuerste Akteur (15 Mio. Euro Marktwert) befindet sich im Angriff der Israelis. Bei seinem Verein Red Bull Salzburg und auch in der Nationalmannschaft ist Munas Dabbur die unangefochtene Nummer eins im Sturm. Das Trikot der Israelis hat der 26-Jährige in 14 Partien getragen, dabei sind ihm drei Treffer und ein Assist gelungen. Für die Salzburger kommt Dabbur in dieser Saison auf 34 Torbeteilungen (26 Tore, acht Assists) in 36 Spielen. In der Torschützenliste der tipico Bundesliga steht er aktuell auf Platz eins, in der der UEFA Europa League auf Rang zwei. Auf eine längere Teamhistorie kann Sturmpartner Eran Zahavi zurückblicken. Der Offensivakteur von Guangzhou R&F absolvierte 42 Länderspiele und war an 15 Treffern beteiligt (neun Tore, sechs Assists). In der chinesischen Super League kommt der 31-Jährige aktuell auf drei Tore in zwei Spielen. Das Aufgebot im Angriff machen Manor Solomon (Shakhtar Donetsk), Yonathan Cohen (Maccabi Tel Aviv) und Tomer Hemed (Queens Park Rangers).

Vier Österreicher in Israel

Seit dem 1. August 2018 ist der österreichische Rekordnationalspieler Andreas Herzog Teamchef der Israelis. Für den 50-Jährigen ist es der erste Cheftrainerposten, zuvor war er als Co-Trainer (Österreich und USA) und im Nachwuchsbereich (Österreich U21 und USA U23) tätig. Die Bilanz von Herzog ist ausgeglichen. In sieben Partien unter seiner Leitung konnten die Israelis drei Spiele gewinnen, drei Partien wurden verloren dazu gab es ein Remis. Der Rekordnationalspieler bevorzugt ein 5-3-2 System, seine Startelf hat er schon gefunden. Unterstützt wird der ehemalige Mittelfeldakteur von Torwarttrainer Klaus Lindenberger. Der 61-Jährige war schon zweimal beim ÖFB tätig (2005 - 2008 und 2015 - 2018), sammelte aber auch schon beim LASK und Al-Wahda (Abu Dhabi) Berufserfahrung. Als Technischer Direktor ist Willi Ruttensteiner beim israelischen Verband angestellt. Bevor er im Juli 2018 den Job in Israel annahm, war er von 2001 bis 2017 Sportdirektor des ÖFB. Nachdem das Nationalteam die Qualifikation für die WM 2018 in Russland verpasste, wurde 56-Jährige entlassen und durch Peter Schöttel ersetzt. Seit Anfang der Woche ist Ex-Schwimmstar Markus Rogan der vierte Österreicher bei der Israel Football Association. Der 36-Jährige ist als Mentalcoach tätig.

2018 und ein kurzer Geschichtsüberblick

Drei Siege und vier Niederlagen gab es im Jahr 2018 für die Israelis. In der UEFA Nations League verpasste das Team von Andi Herzog den Aufstieg in die League B. Im entscheidenden Spiel gegen Schottland mussten sich die Israelis in Glasgow mit 3:2 geschlagen geben. Der Auftakt der EM-Qualifikation gegen Slowenien endete mit 1:1. Für eine Europameisterschaft konnte sich Israel noch nie qualifizieren, 1970 gab es die erste und einzige Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft (Aus in der Vorrunde). Das erste Länderspiel absoliverten die Israelis im September 1948 in New York gegen die USA (1:3). Bis 1974 war Israel Mitglied der Asian Football Confederation (AFC), wurden aber wegen eines Boykotts der arabischen Staaten ausgeschlossen. Die Ostblockstaaten verhinderten eine Aufnahme in die UEFA, diese erfolgte erst 1991. Den höchsten Sieg feierten die Israelis im März 1988, als man sich gegen Chinese Taipei (Taiwan) mit 9:0 durchsetzte. Ein 1:7 im Februar 2002 gegen Deutschland ist bis heute die höchste Niederlage in der Historie. Nach 424 absolvierten Spielen steht Israel bei einer Bilanz von 154 Siegen, 97 Remis und 173 verlorenen Partien.

Positive Bilanz des ÖFB

Das erste Aufeinandertreffen zwischen Israel und Österreich gab es im April 1969, die beiden Mannschaften trennten sich mit einem 1:1. Die folgenden drei Spiele konnten die Österreicher mit 3:1 (Dezember 1976), 1:0 (Jänner 1979) und 5:2 (Oktober 1992) für sich entscheiden. Zweifacher Torschütze im Oktober 1992 war der heutige Teamchef der Israelis Andreas Herzog. Auch war es das letzte Länderspiel unter Trainerlegende Ernst Happel, denn 17 Tage später starb er an Lungenkrebs. Es folgten zwei 1:1-Unentschieden (Oktober 1993 und September 1998) und eine klare 0:5-Niederlage (Juni 1999) für das ÖFB-Team. In den letzten beiden Partien gegen die Israelis traf Herzog erneut. Beim 2:1 im März 2001 erzielte er per Elfmeter den Siegestreffer. Im Oktober 2001 traf der heute 50-Jährige per Freistoß in der Nachspielzeit zum 1:1, Österreich sicherte sich damit die Teilnahme für das Play-off der WM-Qualifikation 2002. ORF-Kommentator Hans Huber wurde nach dem Ausgleichstreffer von israelischen "Fans" mit Orangen und Steinen beworfen.

Bilanz des ÖFB: Neun Spiele - vier Siege - vier Remis - eine Niederlage