IM PORTRÄT: Adrian Grbic - Die neue Sturmhoffnung fürs Nationalteam

Lorient-Legionär Adrian Grbic wurde von Teamchef Franco Foda für die beiden Nations-League-Spiele gegen Norwegen (04.09.) und Rumänien (07.09.) zum ersten Mal ins A-Nationalteam einberufen. Der 24-Jährige, der in Frankreich - im Land des Weltmeisters - so richtig aufblühte, hat mit der erstmaligen Einberufung ein neues Karriere-Hoch erreicht. Und nach dem Fehlen von Marko Arnautovic ist der Wiener mit kroatischen Wurzeln auch gleich die neue Sturmhoffnung für das Nationalteam.

Anfänge in der Viktoria- und Rapid-Jugend

Grbic hat schon von klein auf den Ball am Fuß. In seiner Kindheit prägte ihn vor allem der „Straßenfußball“, wie er im Interview mit transfermarkt.at erzählte. „Nach der Schule sind wir jeden Tag in den Park und haben dort Fußball gespielt. Wenn es dort gegen größere Kinder ging, nahm auch keiner Rücksicht auf dich. Ich glaube, die härteste und vielleicht beste Schule ist die Straße. Dort lernst du, dich durchzusetzen.“

Ab September 2002 hat Grbic seine Schuhe für die Jugend der Wiener Viktoria geschnürt. Zwei Jahre später schloss er sich nach einem offenen Probetraining, bei dem er von 30 Kindern zu den drei besten zählte, dem SK Rapid Wien an. Bei den Grün-Weißen stellte er seine Torjägerfähigkeiten das erste Mal richtig unter Beweis. Mit seinen 17 Toren in der U16-Meisterschaft und neun Treffern in acht Spielen für die U18, wurden ausländische Scouts auf den jungen Stürmer aufmerksam. Der VfB Stuttgart konnte den SK Rapid nach langen Verhandlungen schließlich von einem Transfer überzeugen.

Höhen und Tiefen in Stuttgart

So wechselte Grbic im Jahr 2012, im Alter von 15 Jahren, in die U17 der Schwaben, wo er sich anfangs unter anderem aufgrund des mangelnden Defensivverhaltens etwas schwertat. Schnell konnte er aber auch in Deutschland sein Talent unter Beweis stellen. In seiner ersten Saison erzielte er in der U17 Bundesliga Süd/Südwest 21 Tore in 21 Spielen. Im Finale der B-Jugendmeisterschaft schoss er gegen Hertha BSC das Tor zum 1:0-Sieg für den VfB. Eine Saison drauf (2013/14) wurde der Angreifer mit 15 Toren Torschützenkönig in der U19-Bundesliga Süd/Südwest. Zwischenzeitlich wollte ihn sogar der FC Bayern München verpflichten, die Stuttgarter wollten den Torjäger allerdings nicht ziehen lassen.

So wurde Grbic im Sommer 2015 in die zweite Mannschaft der Stuttgarter hochgezogen. Dort erlebte der 1,88 Meter große Stürmer allerdings das erste Mal ein kleines Tief in seiner Karriere. In der Saison 2015/16 kam der Angreifer nur auf 15 Einsätze, in denen er kein Tor erzielte. Im Laola1-Interview reflektiert Grbic: „Meine Zeiten in Stuttgart waren unglaublich. Da konnte kommen, wer will, ich habe meine Tore gemacht. Aber das war Nachwuchsfußball. Ich konnte dann den Schalter nicht so schnell umlegen, als ich in die zweite Mannschaft gekommen bin. Im Training wurde mir dann gezeigt, dass es so nicht mehr geht bei den Profis.“ Der Durchbruch im Ausland gelang nicht und so kehrte Grbic nach Österreich zurück.

Rückkehr nach Österreich

Im Sommer 2016 unterschrieb Grbic in seiner Heimatstadt für den FAC um wieder Spielpraxis sammeln zu können. Nach einer Saison wechselte er dann zum SCR Altach, wo er jedoch nie richtig glücklich werden sollte. Kurz nach seinem Wechsel ging Trainer Damir Canadi, der ihn nach Vorarlberg geholt hatte, zu Rapid. Und Sportchef Georg Zellhofer wollte Grbic ursprünglich gar nicht holen. Zudem war Torgarant Hannes Aigner vor ihm gesetzt.

Im Winter 2019 schlug Grbic eine Vertragsverlängerung aus, er wollte unbedingt mehr Spielzeit. Im März gab es dann den ersten Kontakt mit Clermont. Der französische Zweitligist wollte den Ex-VfB-Stürmer unbedingt haben. „Mir hat es getaugt, wie sie mir gezeigt haben, dass sie mich unbedingt haben wollen. So etwas habe ich selten erlebt. Sie haben mir ein Gefühl der Wertschätzung gegeben. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, diesen Schritt zu machen, für drei Jahre zu unterschreiben.“, erzählte er im Gespräch mit Laola1.

„Renaissance“ im Land des Weltmeisters

In Frankreichs zweiter Liga fand Grbic wieder zu alter Stärke zurück. Er zahlte dem Klub das ihm entgegengebrachte Vertrauen mit 17 Toren und vier Assists zurück. Im 12terMann.at-Interview vom vergangenen April erklärte Grbic warum in Clermont viel besser zur Geltung kam: „Fußballbezogen kann ich sagen, dass Clermont genau den Fußball spielt, der mir entgegenkommt. Wir lassen den Ball am Boden, versuchen spielerische Lösungen zu finden und das ist exakt jene Art von Fußball, die ich mag. Natürlich könnte ich auch lauter hohe Bälle vorne sichern, doch die aktuell praktizierte Spielweise kommt mir deutlich mehr entgegen. Von Beginn weg hat mir der Trainer klar kommuniziert, dass ich ob meiner Technik perfekt in sein Team passe.“

Für Clermont durfte Grbic nicht nur erfolgreich Elfmeter, sondern auch Freistöße ausführen. Dabei kommt ihm seine gute Schusstechnik zugute, die er schon seit Kindesbeinen an mithilfe von Youtube-Videos trainierte. In französischen Medien wurde er aufgrund dessen schon mit Juninho verglichen.

Mit einer starken Saison bei Clermont, weckte er natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. So soll unter anderem Olympique Marseille an Grbic, der von den Fans ins Team der Saison der Ligue 2 gewählt wurde, dran gewesen sein. Doch er entschloss sich für einen Wechsel zu Ligue-1-Aufsteiger FC Lorient. Mit einer Ablösesumme von rund zehn Millionen Euro ist Grbic hinter Marko Arnautovic sogar der zweitteuerste Stürmer den Österreich je hatte. Dementsprechend imposant wurde der Rekordtransfer bekanntgegeben.

Viel Erfahrung auf Nationalteamebene

Auf Nationalteamebene bringt Grbic schon einiges an Erfahrung mit. Er spielt seit der U16 für Österreichs Nationalmannschaft und durchlief von da an bis zur U21 alle Auswahlen. Er qualifizierte sich gleich für drei Europameisterschaften (U17, U19, U21) und spielte mit der U17 sogar bei der Weltmeisterschaft.  Mit einem Einsatz im A-Nationalteam kann sich Teamchef Franco Foda die Dienste der Stürmerhoffnung auch für die Zukunft sichern. In der Vergangenheit hat sich nämlich auch der kroatische Verband bei Grbic gemeldet. Die Zeichen stehen jedoch gut, dass er gegen Norwegen oder Rumänien zu einem Einsatz kommt. Und vielleicht feiert er ja auch wie in Lorient mit einem Tor bei seinem Debüt den perfekten Einstand. Das Zeug hat er dazu.

Steckbrief:

Name: Adrian Grbic

Geburtsort: Wien

Position: Stürmer

Aktueller Verein: FC Lorient

Bisherige Vereine: SC Wiener Viktoria, SK Rapid Wien, VfB Stuttgart, Floridsdorfer AC, SCR Altach, Clermont Foot