GEGNERPORTRÄT: Griechenland - Der überraschende und gefallene Europameister

Wer an griechischen Sport denkt, denkt vermutlich an antike Wettkämpfe oder den Ursprung des Marathons. Aber auch der hellenische Fußball hat sich bereits in den Geschichtsbüchern verewigt. Gegründet wurde der griechische Fußballbund im Jahr 1926, bereits sechs Jahre bestritten Herren von der Halbinsel ihr erstes Länderspiel. Eine 0:9-Niederlage gegen Schweden stand damals auf der Anzeigetafel beim Debüt. Ein Auftritt einer Athener Mannschaft bei den olympischen Zwischenspielen von 1906 brachte den Hellenen den undankbaren vierten Platz ein.

Erst 1980 reiste die erste griechische Nationalmannschaft nach der Qualifikation für die EM in Italien zu einem großen Turnier. Nach Niederlagen gegen die Niederlande (0:1) und die Tschechoslowakei (1:3) war die Heimreise bereits nach der Vorrunde gebucht, ein Achtungs-Remis gegen den späteren Europameister Deutschland ließ die Griechen zumindest anschreiben. Düsterer verließen die Südosteuropäer ihre erste Weltmeisterschaft 1994 – 0:10 Tore und keine Punkte auf dem Konto waren schlichtweg eine Blamage.

Aufgrund der überschaubaren fußballerischen Historie reiste Griechenland ohne nennenswerte internationale Beachtung 2004 zur Europameisterschaft nach Portugal. Das Interesse an den defensiv-kompromisslosen Griechen stieg jedoch schnell. Von Otto Rehagel trainiert, erklommen die Hellenen in jenem Sommer den Olymp und machten sich mit einem für alle überraschenden Turniersieg in ihrer Heimat gottgleich. Ein Kopfball von Angelos Charisteas entschied einst über das „Wunder von Lissabon“, das den damals 17-jährigen Cristiano Ronaldo bitter weinen ließ.

Vom Glanz von 2004 ist mittlerweile wenig über, 2006 verpassten die Griechen die Weltmeisterschaft und 2008 war für die Titelverteidiger in der Vorrunde Schluss. In Südafrika reisten die Griechen ebenfalls nach drei Partien in die Heimat und 2012 zitterte man sich mit viel Glück ins Viertelfinale. Hoffnungen, nach denen die Hellenen erneut durch Fortuna und konsequente Defensivarbeit zu großen Ehren kommen würden, wurden von Deutschland mit einem 2:4 endgültig zerstört. Seither war Griechenland bei keiner Endrunde mehr zu Gast und wird nach verpasster EM-Qualifikation gegen u.a. Italien und Finnland auch die Europameisterschaft 2021 vom Fernseher verfolgen.

Spieler und Trainer

Griechenlands Seitenlinie wird auch längst nicht mehr von Otto Rehagel beackert, der einst mit Händen und Füßen sprachliche Barrieren überbrücken musste. Nun ist es der Holländer John van´t Schip, der den 53. der FIFA-Weltrangliste seit einem Jahr coacht. Mit drei Siegen im Sommer 2019 gestartet, waren die letzten drei Spiele unter seiner Fuchtel enttäuschend. Auf eine 2:0-Niederlage gegen Italien folgte ein blamables 1:1 gegen Liechtenstein und eine 1:0-Niederlage gegen Finnland, die die EM kosteten.

Klickt man sich durch den Kader des Österreichs-Gegners, so stößt der erprobte Fußballfan auf den ein oder anderen bekannten Namen. Odysseas Vlachodimos gilt dabei als absoluter Star des Teams, der 26-jährige Keeper hütet das Tor von Benfica Lissabon. Links vor dem Vlachodimos findet sich mit Charalampos Lykogiannis ein alter Bekannter wieder. Der ehemalige Sturm-Verteidiger ist nach wie vor in Cagliari untergebracht und überzeugt ab und an noch immer mit gefährlichen Distanzschüssen - Freistöße in Strafraumnähe sollten die Österreicher demnach tunlichst vermeiden. Zukunftshoffnungen und Legionäre bei international renommierten Topklubs sind bei den Griechen jedoch Mangelware. Der 18-jährrige linke Außenstürmer Christos Tzolis ist nur einer von vier Griechen unter 22 Jahren.

Für gewöhnlich treten die Hellenen in einem 4-2-3-1 an, vorne könnte ein bekanntes Gesicht auf die österreichischen Verteidiger zustürmen. Der Rapidler Taxiarchis Fountas brennt gegen Österreich auf seinen fünften Länderspiel-Einsatz. Seine Torgefahr hat der schnelle Stürmer jedoch bisher immer in Hütteldorf gelassen, man darf hoffen, dass er sie im Falle eines Einsatzes nicht in Kärnten findet.