Porträt: Plötzlich Teamspieler - der gereifte Raphael Holzhauser

Zugegeben: wir hätten selbst nicht mehr damit gerechnet diese Zeilen noch zu schreiben, doch aufgrund beeindruckender Leistungen in Belgien findet sich Raphael Holzhauser im Kader der Nationalmannschaft wieder. Einst mit viel Talent gesegnet und wenig Mühe ausgestattet, erlebt der 27-Jährige bei Aufsteiger Beerschot seinen zweiten Frühling.

Als "Phänomen" und "Magic Rapha" wurde Holzhauser erst dieses Wochenende von der belgischen Presse gefeiert, als er erneut mit Assists zu glänzen wusste. Es scheint nun ein anderer Holzhauser zu sein, der den Ball über das Feld trägt, ein engagierterer, ein Teamplayer - das war freilich nicht immer so. Bei der Wiener Austria wusste der Niederösterreicher zwar mit Technik und Torgefahr, nicht aber mit Einsatzwillen zu überzeugen. Abenteuer in der deutschen Bundesliga beim VfB Stuttgart und dem FC Augsburg waren hingegen keine Erfolgsgeschichten. Auch ein Gastspiel in der Schweiz bei den Grasshoppers aus Zürich brachten in 22 Spielen nur sechs Torbeteiligungen, eine Statistik, die er bei Beerschot bereits nach acht Spielen deutlich übertroffen hat. Derzeit hält der Offensivgeist in Belgien bei unglaublichen fünf Toren und für Assists.

Das Geheimnis seines Erfolgs weiß Holzhauser selbst nicht: „Es ist schwer zu sagen, warum es so gut läuft“, meint der 27-Jährige gegenüber der APA. Jedenfalls wäre es ein "super Gefühl" gewesen, als sich plötzlich Franco Foda über Telefon bei ihm gemeldet hat. Ein Traum sei für den ehemaligen Nachwuchsteamspieler in Erfüllung gegangen. Aufgrund der überschaubaren Bedeutung der kommenden Aufgaben ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Holzhauser sein Trikot auch durchschwitzen darf. Dabei könnte dem oft gescholtenen Niederösterreich eine zentrale Rolle zukommen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Österreichs Nationalteam im letzten Angriffsdrittel oft die nötige Durchschlagskraft fehlt. In der neuen Offensivrolle fühlt sich Holzhauser in Beerschot pudelwohl und er weiß über seine Qualitäten Bescheid. „Ich komme nun selbst zum Abschluss, kann entscheidende Pässe spielen“, berichtete Holzhauser. Dass ihn Kritiker mitunter als „Standfußballer“ bezeichnen, nimmt er gelassen. „Dass ich nicht der Schnellste bin, mag vielleicht stimmen. Aber im zentralen Mittelfeld sind die Spieler eben nicht die schnellsten. Wichtig ist dort, dass man im Kopf schnell ist.“ ;Man darf nun dem einstigen Mega-Talent die Daumen drücken, dass er das Potential dann doch noch ins Nationalteam bringt.