Vorschau: Historisches EM-Achtelfinale gegen überragende Italiener

Österreich bestreitet am Abend erstmals ein EM-Achtelfinale. Ein Spiel im Londoner Wembley Stadium gegen Italien - klingt für heimische Fußballfans nach einem Jahrhundert-Schmankerl. Es droht aber angesichts der Vorzeichen das genaue Gegenteil. 

Denn bekanntlich sind keine Fans aus Österreich im Stadion dabei, die Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien macht eine Anreise unmöglich. Während in München oder Budapest die österreichischen aber auch italienischen Fans mehr Freude hätten, so werden in London zwar 40.000 Zuschauer dabei sein, die meisten Leben aber auch in Großbritannien. 

Genau das könnte Österreich ein Auswärtsspiel bescheren, denn in London leben viele Italiener, die den Weg ins Stadion finden könnten. Der Anteil an italienischen Wahl-Briten ist jedenfalls höher als jener aus Österreich. Appelle von Spielern und Trainern das Spiel wo anders zu auszutragen wurden nicht erhört, dies stand nie zur Debatte. Außerdem hat Österreich im Wembley kein Abschlusstraining absolviert, sondern noch in Seefeld. Der Rasen in London soll geschont werden. Ein Umstand, der ÖFB-Teamchef Franco Foda nicht glücklich gemacht hat.

Dann kommt auch noch die Tatsache hinzu, dass Österreich auf die wohl zurzeit stärkste Mannschaft im Bewerb trifft. Die Umstände sind bekannt. Italien hat seit elf Spielen kein Tor kassiert (über Tausend Spielminuten!) und die letzte Niederlage datiert von Herbst 2018 (0:1 in der Nations League gegen den amtierenden Europameister Portugal). Österreich ist krasser Außenseiter, das steht außer Frage. Aber genau das kann der ÖFB-Elf in die Karten spielen.

"Vielleicht können wir das bisschen als unseren Trumpf verwenden. Wir brauchen sicher einen Top-Tagen und müssen noch eine Schippe zum Ukraine-Spiel drauflegen - dann ein bisschen Glück, so Florian Grillitsch in einem Zoom-Medientermin. Der Mittelfeldspieler hat gegen die Ukraine mit einer bärsenstarken Leistung aufgezeigt, gegen die Italiener wird es noch eine Top-Leistung brauchen. Grillitsch ist sich der Außenseiterrolle bewusst - glaubt aber an die Sensation. "Wir haben jetzt historisches geschafft, wieso soll es nicht weitergehen?" 

Elf Spiele ohne Tor, das wirkt wie klassisches italienisches Catenaccio. Doch davon ist die Squadra Azzura weit entfernt. Die Defensive rund um einen der besten Torhüter der Welt Gianluigi Donnarumma steht bombensicher, doch auch in der Offensive ist geballte Power zu finden. Italien weiß mit schönem Offensivfußball zu gefallen. 

"Sie wollen Ballbesitz-Fußball spielen. Sie können aber auch gut umschalten und haben gute Eins-gegen-Eins-Spieler. Sie haben einen Stürmer, der viele Tore schießen kann - es gilt auf die gesamte Mannschaft aufzupassen", so Marcel Sabitzer vor dem Spiel.

Das Nationalteam braucht, um das Fußball-Wunder zu schaffen, eine der besten wenn nicht die beste Leistung seit Jahren/Jahrzehnten. Defensiv überragend, Offensiv effektiv und überraschend was das aggressive Pressing im Red Bull-Stil angeht. "In 90 Minuten kann viel passieren. Wir sind nicht dort, um nur das Stadion zu besichtigen, sondern um das Spiel zu gewinnen", so etwa Marko Arnautovic vor dem Spiel.

Italien zeigt Repsekt vor den Österreichern, geht aber mit breiter Brust ins Spiel. Coach Roberto Mancini will zu den Finalspielen nach London zurückkehren, das Ziel spricht er im Vorfeld der Partie klar ein. Ein Aus gegen Österreich wäre demnach eine Überraschung und eine herbe Enttäuschung. "Wir sind Italien, wir gehen auf den Platz, um zu gewinnen", sagt etwa Napoli-Außenverteidiger Giovanni di Lorenzo

Passend zum Spielort pfeift der Engländer Anthony Taylor die Partie, ein schnelles und härter geführtes Spiel ist also zu erwarten. Ankick in London ist um 21 Uhr. Bereits um 18 Uhr bestreiten Wales und Dänemark das erste Match.