Marc Janko - die Strafraumkobra

Eine Verbindung die passt

In diesen Tagen ist es genau zehn Jahre her, dass Marc Janko sein Teamdebüt für Österreichs A-Nationalmannschaft gegeben hat. Der gebürtige Wiener ist somit dienstältester Akteur in der Mannschaft von Marcel Koller und auch der älteste Spieler im EM-Kader. Es war ein freundschaftliches Länderspiel gegen Kroatien, als der Sohn von Olympia-Bronzemedaillengewinnerin Eva Janko unter dem damaligen Teamchef Josef Hickersberger erstmals die internationale Bühne betrat. Wer damals dachte, Janko könnte sich über Jahre hinweg im Team etablieren irrte sich jedoch. Vorerst zumindest. Denn in den kommenden Jahren war Janko, auch durch diverse Verletzungen, im Team nicht vom Glück verfolgt. Das Verpassen der Heimeuropameisterschaft zählt mit Sicherheit zu einer der bittersten Erfahrungen in der Karriere des Stürmers. Doch dann kam der Herbst 2011 und es kam Marcel Koller. Der Schweizer sah in Janko einen wichtigen Eckpfeiler für sein Team und Janko selbst sollte dieses Vertrauen zurückzahlen. Ihm gelang sofort im ersten Spiel unter Koller, einem 1:2 in der Ukraine, der erste Treffer. Insgesamt erzielte der Legionär des FC Basel 1893 in 33 Spieler unter dem Schweizer 17 Tore. Nach 52 Länderspielen sind es im Moment 26 Volltreffer, womit Janko momentan auf Rang Sechs der ewigen Torschützenliste des Nationalteams ex aequo mit Andreas Herzog und Matthias Sindelar liegt.

Die "Strafraumkobra" ist im momentanen Team einer der "Unersetzbaren". Wenn Janko ausfällt ist Feuer am Dach. Dies weiß auch der Teamchef höchstpersönlich, der seinem Fixstarter im Sturm vor allem während seiner schweren Zeit beim türkischen Klub Trabzonspor immer wieder mit gutem Rat zur Seite stand und ihm auch damals immer wieder Vertrauen entgegengebracht hat. Vertrauen, das mehr als zurückgezahlt wurde. Janko war in der Qualifikation für Frankreich mit siebenToren und drei Assists der Topscorer des ÖFB-Teams. Vor allem sein Siegtor beim 1:0 in Moskau per Fallrückzieher stieß das Tor zur EM so richtig auf und wird wohl jedem Fan noch auf Jahre hinweg in Erinnerung bleiben.

Kaltschnäuziger Führungsspieler

Wenn man über die Stärken des Marc Janko sprechen will, weiß man gar nicht so recht wo man anfangen soll. Wir wollen ihn jetzt nicht größer machen als er ist und zu weit in den Himmel loben, aber der 32-jährige gilt nicht zu unrecht als ziemlich kompletter Stürmer. Vor allem sein Kopfballspiel und sein Torabschluss sind hier besonders hervorzuheben. Dazu kommt etwas das jeder Topstürmer mitbringen muss und das man einfach nur schwer anlernen kann: das Gespür dafür, wo es etwas zu erben gibt. Janko steht sehr oft dort wo er sein muss und macht zudem aus wenigen Chancen viele Tore. Eine Qualität, die auch bei der EM von großer Rolle sein wird. Eine weitere Stärke von Janko, der in der Saison 2008/09 für Red Bull Salzburg unglaubliche 39 mal traf, ist das Behaupten und Abschirmen des Balles, wodurch er als Solospitze auch immer wieder seine nachrückenden Mitspieler gut einsetzen kann. Wenn man nach den Schwächen in seinem Spiel suchen will kommt man wahrscheinlich auf die Geschwindigkeit zu sprechen. Dies ist aber aufgrund des Alters keine Überraschung und durch ein gutes Zweikampfverhalten, die körperlichen Voraussetzungen bringt der 1,96m-Hüne mit, durchaus wettzumachen. Die großen Showeinlagen a la Marko Arnautovic wird der Mittelstürmer des ÖFB-Teams zwar nicht liefern, dass er dennoch technisch beschlagen ist bewies er nicht zuletzt beim 1:0-Siegestor in Moskau im Laufe der Qualifikation. Neben seinem fußballerischen Niveau ist der Schweiz-Legionär zudem als Ersatzkapitän ein wichtiger Führungsspieler im Team, der sich auf und abseits des Platzes für nicht zu schade ist und alles dem Erfolg des Teams unterordnet.

Ohne Topstürmer wird es für jede Mannschaft schwer, erst recht bei einer Endrunde. Österreich kann von sich behaupten, dass man mit Marc Janko einen solchen in seinen Reihen hat.

Neues Zuhause - alte Form

Die Überraschung im Juni 2015 war durchaus groß, als Marc Janko nach einem erfolgreichen Jahr beim Sydney FC beim Schweizer Meister und Ligakrösus FC Basel 1893 unterschrieb. Die Basler suchten nach dem Karriereende von Marco Streller nach einem neuen Mittelstürmer und fanden im österreichischen Teamspieler den perfekten Nachfolger. Bereits bei seinem ersten Einsatz im Spiel gegen Grasshoppers Zürich traf Janko erstmalig in der Raiffeisen Super League. Insgesamt traf der Neuzugang in 20 Ligaeinsätzen starke 16 Mal und liegt damit zwei Runden vor Schluss auf Rang Drei in der Torschützenliste. Der Führende Munas Dabbur, Neuzugang bei Jankos Ex-Klub Red Bull Salzburg, hat bei 13 Einsätzen mehr lediglich drei Tore mehr auf dem Konto. Die bisherigen 16 Saisontore, Janko wird aufgrund eines Mitte April erlittenen Muskelfaserrisses in den letzten zwei Runden im Hinblick auf die EM wahrscheinlich nicht mehr zum Einsatz kommen, sind auch mitverantwortlich für den neuerlichen Meistertitel des FC Basel gewesen. Der FCB dominierte die Saison nach Belieben und errang bereits am 31. Spieltag den siebenten Meistertitel in Folge. Janko kam in Meisterschaft, Cup, Europa League und Champions League-Qualifikation auf insgesamt 33 Einsätze und konnte dabei 20 Tore und vier Assist verbuchen.

Steckbrief
Marc Janko
Geburtsdatum 25.06.1983
Geburtsort Wien
Position Mittelstürmer
Verein FC Basel 1893
Bisherige Vereine

Sydney FC
Trabzonspor
FC Porto
Twente Enschede
Red Bull Salzburg
Admira Wacker Mödling

Nationalteam-Debüt 23.05.2006
Spiele im Nationalteam 52
Tore im Nationalteam 26

 

Erster Teamtor beim 2:2 in Italien (ab 2:20):