Martin Harnik - der "Piefke"

Eine Konstante in der Wirtshaustruppe

Gerade einmal sechs Minuten benötigte Martin Harnik um erstmals im Teamdress der österreichischen Nationalmannschaft zu treffen. Der gebürtige Hamburger debütierte, als einer der Helden der U20-WM 2007, unter Teamchef Josef Hickersberger wenige Wochen nach dem Turnier beim 1:1 gegen Tschechien. Seit damals gehört er, mit einer einjährigen Unterbrechung zu Beginn der Constantini-Ära, fix zum österreichischen Teamkader und bestritt bisher 56 Länderspiele. Damit ist Harnik gemeinsam mit Sebastian Prödl der Spieler mit den zweitmeisten Einsätzen im Kader für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. "Der Piefke", wie er im Team aufgrund seines Dialektes und seiner Herkunft liebevoll genannt wird, konnte bislang 14 Tore im ÖFB-Team erzielen. Zu den Highlights zählen neben seinen Debüttreffer der Ausgleich beim unglaublichen 4:4 in Belgien, ein Treffer gegen das Heimatland seiner Mutter Deutschland und natürlich der Doppelpack beim sensationellen 4:1-Sieg in Solna gegen Schweden.

In der EM-Qualifikation für Frankreich stand der rechte Flügel, mit Ausnahme des 2:1-Sieges in Moldawien, immer in der Startformation und kam somit in allen zehn Spielen zum Einsatz. In fünf Partien spielte der Stuttgarter durch und ist auch bei der EM aller Wahrscheinlichkeit nach im Team von Marcel Koller in der offensiven Dreierreihe gesetzt. Seit Beginn der EM-Qualifikation hat er mit Florian Klein auf der rechten Abwehrseite einen Stuttgarter Klubkollegen hinter sich. Harnik ist im Team nicht immer unumstritten und hat vor allem in Marcel Sabitzer einen Spieler im Nacken sitzen, der an der Startelf kratzt. Dennoch bringt "Maddin" in der Nationalelf immer wieder seine Leistung. Gerade wenn es im Klub nicht so rund lief, konnte sich Harnik im Team immer wieder mit guten Leistungen neues Selbstvertrauen holen. Dies hat auch mit der guten Atmosphäre im Kader zu tun, die Marcel Koller geschaffen hat. "Das ist wirklich etwas Besonderes, das kennt man normalerweise nur aus einer Kneipenmannschaft. Aber hier ist es wirklich der Fall, dass wir einen unglaublichen Teamgeist haben“, verwies Martin Harnik, im norddeutschem Dialekt, einmal auf die gute Stimmung und dass im ÖFB-Team der Spruch "Elf Freunde müsst ihr sein" seine Gültigkeit besitzt. Harnik selbst, als Spaßvogel bekannt, ist einer der für diese positive Stimmung im Team mitverantwortlich ist.

 

Zladdi, ich brauch die Bälle

Eine der großen Stärken von Harnik, der bisher nur bei Vereinen in Deutschland gespielt hat, ist seine Schnelligkeit, wodurch er vor allem in Kontersituationen für das ÖFB-Team Gold wert ist. Beispielhaft ist hier sein Assist für Rubin Okotie beim 1:0 gegen Russland in der Qualifikation zu nennen. Durch seine Schnelligkeit braucht er viele Bälle in die Tiefe und Schnittstellen der Abwehr. Mit David Alaba und vor allem Zlatko Junuzovic verfügt Österreich über zwei Spieler die diese Pässe sehr gute spielen und den Stuttgarter so auch bedienen können. Harnik ist in seinem Spiel generell eine sehr vertikaler Typ und kippt beispielsweise weniger oft in die Mitte als sein gegenüber auf der linken Seite Marko Arnautovic. Dazu hat Harnik dem Stoke-Legionär den Zug zum Tor etwas voraus, wenngleich ihm vom technischen Niveau her sicher einiges auf sein linkes Pendant fehlt. Durch seine Schnelligkeit, seinen Zug zum Tor und auch sein Gespür für gefährliche Situationen kommt "Maddin" immer wieder zu guten Chancen. Hier liegt aber auch eines seiner Mankos. 14 Tore in 56 Länderspielen, sowie 68 in 214 Spielen für den VfB Stuttgart sind zwar gute bis sehr gute Werte, dennoch könnte der Flügelspieler bei einer besseren Chancenverwertung sowohl im Team als auch beim VfB noch weit mehr Tore erzielt haben. Eines wird man beim ehemaligen Bremer allerdings nicht sehen: aufgeben. Martin Harnik ist ein Dauerläufer auf der rechten Seite und bewies in den letzten Jahren in der deutschen Bundesliga immer wieder, dass er bis zum Umfallen kämpft. Eine Tugend, die auch in Frankreich mit Sicherheit von Nöten sein wird.

 

Eine schwache Saison endet im Abstieg

Sowohl für die Nummer 11 im ÖFB-Team selbst als auch für seinen Verein war die Saison schwer enttäuschend. Nach 39 Jahren Erstligafußball muss der VfB Stuttgart wieder in die 2. Deutsche Bundesliga absteigen. Nach einer schwachen Hinrunde, man überwinterte als 15. mitten im Abstiegskampf, starteten die Cannstätter noch mit vier Siegen perfekt ins neue Jahr. Nach dem 22. Spieltag war man sogar noch acht Punkte von der Relegation und zehn vom Direktabstieg entfernt. Es folgten allerdings neun Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen und somit der verdiente Abstieg. Auch für Harnik selbst war seine sechste Saison in Baden-Württemberg mit lediglich zwei Treffern und keinem Assist die mit Abstand schwächste. Der Teilzeitkapitän laborierte zudem Mitte der Saison drei Monate an einem Außenbandanriss im Knie und kam nur auf 19 Einsätze.

Durch den Abstieg der Schwaben endet auch die Zeit des österreichischen Nationalspielers in Stuttgart. Wohin die Reise hingeht werden die nächsten Wochen zeigen, wenngleich ein Verbleib in der 1. Deutschen Bundesliga sehr wahrscheinlich ist. Der Hamburger SV soll großes Interesse an einer Verpflichtung des EM-Teilnehmers haben.

Steckbrief
Martin Harnik
Geburtsdatum 10.06.1987
Geburtsort Hamburg
Position Rechter Flügel
Verein VfB Stuttgart
Bisherige Vereine

Fortuna Düsseldorf
SV Werder Bremen
SC Vier- und Marschlande

Nationalteam-Debüt 22.08.2007
Spiele im Nationalteam 56
Tore im Nationalteam 14

 

Erster Teamtor beim 1:1 gegen Tschechien:
Ausgleich beim 4:4 in Belgien:
Doppelpack beim 4:1 in Schweden (ab 1:40 und 5:45):