Österreich scheidet nach Niederlage gegen Island aus

Der Aufprall ist erneut groß. Österreich scheidet bei der Euro 2016 nach einer mageren Leistung gegen Island in der Gruppe F aus und muss wieder die Heimreise antreten. Zwar gelang dem ÖFB-Team durch Alessandro Schöpf der erste Treffer bei diesem Turnier, doch die Leistung war bei der 1:2-Niederlage gegen die Wikinger mehr als nur dürftig. Mit nur einem Punkt aus drei Spielen verabschiedet sich die Elf von Marcel Koller sehr enttäuschend von der EM. Tore von Jön Dadi Bödvarsson und Arnor Ingvi Traustason in der Nachspielzeit besiegelten die bittere Niederlage der Österreicher. Das war zu wenig.

ÖSTERREICH

1 : 2

ISLAND
 

(0 : 1)

 
Spielort: Saint-Denis, Stade de France (65.714 Zuschauer)
Schiedsrichter: Szymon Marciniak
    0:1 Bödvarsson (18.)
Dragovic verschießt Elfmeter (37.)    
1:1 Schöpf (60.)    
    1:2 Traustason (90.+4)

Startaufstellungen / Auswechslungen / Karten

Österreich: Almer - Prödl (46. Schöpf), Dragovic, Hinteregger - Klein, Baumgartlinger, Ilsanker (46. Janko), Fuchs - Alaba - Sabitzer (78. Jantscher), Arnautovic

Ungarn: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason - Gudmundsson (86. Ingason), Gunnarsson, G. Sigurdsson, B. Bjarnason - Bödvarsson (71. E. Bjarnason), Sigthorsson (80. Traustason)

Spielbericht

Es ist schwierig die Niederlage in Worte zu fassen, noch möchte man der Enttäuschung freien Lauf lassen. Die Wörter fallen schwer, aus der Euphorie wurde eine Depression in rot-weiß-rot. Die Unform, die sich in den Testspielen abzeichnete und auch in den ersten beiden Matches der Euro fortsetzte, war auch gegen die Wikinger zu spüren.

Schon zu Beginn wirkten die Österreicher einfallslos, unentschlossen, nicht fokussiert und hatten bei einem isländischen Weitschuss an die Latte Glück. Dazu kam, dass Koller mit einer ungewohnten Startaufstellung überraschte. Der Schweizer ließ ganz hinten eine Dreierkette mit Sebastian Prödl, Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger auflaufen. David Alaba agierte wieder auf der für ihn ungewohnten Rolle des zentralen Mittelfeldspielers. Man spürte schon die Verunsicherung, das Passspiel funktionierte überhaupt nicht, der Gegner war immer einen Schritt schneller und hatte keine Mühe mit den ungefährlichen Angriffen des ÖFB-Teams.

So kam es nicht ganz überraschend, dass die Isländer durch einen Treffer von Bödvarsson nach 18 Minuten in Führung gingen. Der Gegentreffer schraubte die Nervosität weiter nach oben, torgefährliche Szenen gab es gar keine in der ersten Hälfte. Die einzige nennenswerte Szene war der Elfmeter in der 37. Minute. Alaba wurde im Luftkampf an der Hand gezogen und der Schiedsrichter zeigte auf den Elfmeterpunkt. Unverhofft keimte wieder Hoffnung für die 'Roten Adler' auf. Da der Gefoulte selber nicht schießen wollte, trat der von der Sperre zurückgekehrte Dragovic an und traf nur die Stange, und zwar exakt die gleiche Stelle, an der Cristiano Ronaldo vor vier Tagen gegen die ÖFB-Elf scheiterte.

Mit einer unterirdischen Leistung und einem 0:1-Rückstand ging es in die Halbzeitpause. Teamchef Koller reagierte umgehend und brachte vor dem Wiederbeginn Marc Janko für Stefan Ilsanker und Alessandro Schöpf für Prödl. Mit der Umstellung auf die altbewährte Taktik lief es auch im Spielaufbau viel besser. Die Österreicher zeigten sich bissiger und entschlossener, die Leistung erinnerte wieder an die starken Vorstellungen in der Qualifikation. Der eingewechselte Youngster Schöpf war es dann auch, der den Bann bei dieser EM brach. Nach einem schönen Solo an der Strafraumgrenze erzielte der Schalke-Legionär das erste Tor des ÖFB-Teams. Nach dem Treffer von Ivica Vastic vor acht Jahren bedeutet dies den zweiten Treffer einer österreichischen Nationalmannschaft bei einer EM-Endrunde.

Auf den ersten Sieg müssen die Österreicher auch nach dem insgesamt sechsten EM-Spiel warten. Vier Niederlagen stehen zwei Unentschieden und kein einziger Sieg gegenüber. In der Nachspielzeit vollendete der Neo-Rapidler Traustason einen Konter mitten in der österreichischen Belagerung und bescherte dem EM-Neuling gleich bei seiner Premiere den Aufstieg ins Achtelfinale. Die Österreicher hatten in der zweiten Halbzeit gute Chancen und übten viel Druck auf die Mannschaft vom schwedischen Trainer Lars Lagerbäck aus. Schöpf hatte dabei die beste Chance, scheiterte allerdings freistehend am isländischen Tormann.

Es wollte nicht sein, es durfte nicht sein. Irgendwie lässt einen das Gefühl nicht los, dass der gesamte Turnierverlauf gegen uns gelaufen ist. Allerdings ist gegen Portugal alles für uns gelaufen. Gegen Ungarn und Island lief wiederum einiges schief. Den Stangentreffer von Alaba nach drei Minuten gegen die Ungarn könnte man als Knackpunkt für den weiteren Verlauf sehen. Doch hätte dieses Tor auch einiges, das vielleicht im Argen liegt, verschleiern können. Man ist jetzt am Boden der Realität mit voller Wucht angekommen, aber vielleicht braucht es genau diese Erfahrung für die nächsten Jahre, um fokussierter in die Spiele hineinzugehen. Von Qualität brauchen wir nicht diskutieren. Die ist da, sie muss nur zum Vorschein gebracht werden.