Der Rücktritt von Christian Fuchs - Chance für einen Umbau?

Das war heute Morgen doch ein ziemlicher Paukenschlag, als Christian Fuchs seinen Rücktritt aus dem Nationalteam verkündet hat. Über die Gründe kann man nur spekulieren, daher lassen wir das lieber gleich bleiben. Vermutlich stellen sich gerade etliche Fans so wie wir die Frage, wie das Nationalteam in der "Post-Fuchs-Ära" aussehen könnte, denn gerade diese Position ist im ÖFB-Nationalteam als neuralgischer Punkt zu bezeichnen.

Wir haben uns schon einmal darüber Gedanken gemacht, welche Optionen Marcel Koller künftig haben könnte. Im ersten Moment überwog der Schock, doch bei genauerer Betrachtung könnte sich durch diesen Rücktritt auch eine Chance auf einen schön langsam fälligen Umbau ergeben.

Im Tor wird (und soll) sich nicht viel ändern. Robert Almer kann sich keine Vorwürfe am EM-Aus machen, im Gegenteil - gegen Portugal war er es, der den einzigen Punkt mit tollen Paraden fixiert hat.

An der Position des Rechtsverteidigers gibt es derzeit ebenfalls wenig Änderungspotenzial. Florian Klein wird nach wie vor erste Wahl vor György Garics bleiben. Etwas bedenklich stimmt, dass hier weder von den Legionären noch in der heimischen Bundesliga jemand so aufzeigt, um einen echten Konkurrenzkampf zu entfachen - es kommt einfach derzeit nichts nach.

Die Innenverteidiger-Positionen sind mit Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger ebenfalls ziemlich sicher, wenngleich wir uns künftig deutlich mehr Einsatzzeit für Kevin Wimmer wünschen würden (auch bei Tottenham Hotspur wohlgemerkt). Mit Sebastian Prödl steht ein ebenfalls Premier League erfahrener Spieler zur Verfügung.

Jetzt zum angesprochenen neuralgischen Punkt des Linksverteidigers. Christian Fuchs steht nicht mehr zur Verfügung, Markus Suttner bereitet uns aktuell ziemliche Bauchschmerzen, richtig überragende Auftritte im Nationalteam hat er bisher noch nicht gezeigt. Einzig naheliegende Alternative wäre somit David Alaba, der diese Position ohnedies seit Jahren beim FC Bayern München auf Weltklasseniveau bekleidet (wenn er nicht gerade von Pep Guardiola überall anders eingesetzt wurde). Er ist aktuell die einzig logische Besetzung für diese Position. Damit wäre auch dieses seit Monaten schwelende Dilemma bereinigt, an welcher für ihn ungewohnten Position der 24-jährige eingesetzt wird. Mittelfristig könnte eventuell Stefan Stangl ein Thema für diese Position werden, auch Andreas Ulmer ist nach wie vor eine Option.

Im defensiven Mittelfeld ist Julian Baumgartlinger absolut gesetzt. Für uns der verlässlichste Spieler und damit ganz klar der neue ÖFB-Teamkapitän! Jetzt wäre außerdem genau der richtige Zeitpunkt für eine Blutauffrischung im Team, wodurch die Position des zweiten defensiven Mittelfeldspielers für Florian Grillitsch wie geschaffen wäre. Der 20-jährige Niederösterreicher hat sich im Laufe der Saison 2015/16 einen Stammplatz beim SV Werder Bremer erarbeitet und eine ausgezeichnete Rückrunde gespielt (in der Deutschen Bundesliga und im DFB-Pokal brachte er es auf 2 Tore und 6 Torvorlagen). Stefan Ilsanker wird weiter als situatives Backup bereitstehen und im Bedarfsfall alles geben.

Im offensiven Mittelfeld sind links Marko Arnautovic und zentral Zlatko Junuzovic gesetzt, Alessandro Schöpf hat aber während der EM (leider zu kurz) eindeutig gezeigt, dass ihm die Zukunft gehört und er einfach zum Stammpersonal gehören muss. Er, Arnautovic und Junuzovic würden eine ideale, variable Offensivreihe bilden. Als Backups würden wir - Stichwort Blutauffrischung - Karim Onisiwo, Jakob Jantscher, Marcel Sabitzer und Neo-Werder-Legionär Florian Kainz sehen.

Im Angriff haben wir Marc Janko. Wenn er fit ist (und hoffentlich nicht dem Beispiel von Christian Fuchs folgt), ist auch weiterhin mit ihm zu rechnen. die Alternativen sind allerdings rar gesät. Eine Alternative wäre der "verdrängte" Martin Harnik, aber auch hier gäbe es die Möglichkeit zur Verjüngungskur. Michael Gregoritsch hat beim Hamburger SV eine starke Saison (mit 6 Toren und 2 Assist in Bundesliga und Pokal) gespielt, ebenso war er im U21-Nationalteam bärenstark. Keineswegs sollte man Guido Burgstaller außer Acht lassen, der vergangene Saison beim 1. FC Nürnberg mit 14 Treffern und 11 Assists glänzte. Mit Rubin Okotie und Lukas Hinterseer gäbe es Backups.

So lieber Marcel Koller, jetzt musst du dich entscheiden.