Die Kapitänsfrage – Wer folgt auf Christian Fuchs im ÖFB-Team?

Nachdem Christian Fuchs aus dem österreichischen Nationalteam zurückgetreten ist. stellt sich nun die Frage wer ihm als ÖFB-Kapitän folgen soll. Derzeit kristallisieren sich zwei Favoriten dafür heraus. Die Rede ist von Julian Baumgartlinger und David Alaba. Das schöne ist, es gibt momentan mehrere Führungsspieler im Nationalteam, die auch für die Kapitänsbinde in Frage kommen. Wir haben uns neben Baumgartlinger und Alaba auch mit Robert Almer, Zlatko Junuzovic und Marc Janko die weiteren realistischen Alternativen für dieses Amt angesehen. Die Kapitänsfrage sollte auch keine hitzige Diskussion darstellen, Teamchef Marcel Koller wird für sich schon den richtigen Spieler aussuchen. Welche Vor- und Nachteile unsere Kandidaten haben, könnt ihr weiter unten lesen.

Wer es am Ende wird, der wird es auch gut machen und die richtige Entscheidung sein. Weil erstens nicht so viel Aufsehen um die Kapitänsbinde gemacht werden soll und zweitens weil sie alle die Kompetenz dafür haben.

Julian Baumgartlinger:

Für den Neuzugang von Bayer Leverkusen spricht, dass er eine ruhige, verbindende und respektvolle Art bringt. Aber 'Baumi' steckt keinesfalls zurück, er ist ein richtiger Kämpfer und Dauerläufer. Der 28-Jährige bringt mittlerweile auch viel Routine mit und hat beste Referenzen für dieses Amt. In der letzten Saison führte er den 1. FSV Mainz 05 als Kapitän zum sechsten Platz in der deutschen Bundesliga und damit in die UEFA Europa League. Mit dem Wechsel nach Leverkusen hat er den nächsten Schritt in seiner Karriere gesetzt.Mit derzeit 48 Einsätzen im Nationalteam ist er unverzichtbarer Bestandteil und Leistungsträger in der ÖFB-Startelf.

Es spricht auch für ihn, dass er einer von sehr wenigen Nationalspielern war, die bei der verunglückten EURO ihre Leistung noch abrufen konnten. Er wirkte, als ob er sich von äußeren Umständen nicht beeinflussen lassen würde. So einen Ruhepol und verlässlichen Spieler, der seine Leistung immer bringt, braucht jede Mannschaft. Der defensive Mittelfeldspieler zeigt zudem keine Starallüren und arbeitet sehr teamdienlich. Auch seine Form schwankt fast gar nicht, die Kilometer und das Spiel werden von Anfang bis Ende runtergespult.

David Alaba:

Der Bayern-Kicker ist zweifelsohne der Star des Nationalteams. Wenn in der Welt jemand einen österreichischen Kicker benennen müsste, dann wäre es bestimmt der 24-Jährige. Mit Baumgartlinger ist er im defensiven Mittelfeld im ÖFB-Team eine Bank. In den letzten Jahren war der gebürtige Wiener auch in vielen Spielen mitverantwortlich für den Sieg. Bei Elfmetern übernahm er oft die Verantwortung und traf jedes Mal souverän. Im Spiel ist er der Antreiber, bringt viel Dynamik mit und reißt dadurch die anderen mit seiner Schnelligkeit mit.

Was allerdings gegen Alaba spricht, ist dass er noch etwas zu jung ist. Klar, er kennt die große Bühne im internationalen Fußballgeschäft, aber für einen Kapitän bedarf es anderer Werte. Ein Kapitän muss die nötige Reife bringen, um Situationen auch von einer höheren Warte aus beurteilen zu können. Es wäre auch nicht gut noch mehr auf die Schultern Alabas zu legen. Wir erwarten uns ohnehin viel von ihm, da er der bekannteste und teuerste österreichische Kicker ist. Doch diese Last muss einem Spieler gegeben werden, dem der Druck nicht zu viel wird. Die EM zeigte leider, dass er da zu unbeständig ist und es noch ein paar Jahre dauern könnte bis er zu einem echten Führungsspieler geworden ist. Die Vergangenheit mit [Andreas_Ivanschitz] sollte davor warnen, dass es oft nicht gut für das Team und den Spieler selber ist, wenn bei der Erwartung im Land einem im jungen Alter diese Binde übertragen wird.

 

Robert Almer:

Gegen den Keeper von der Austria Wien würde auch nicht viel sprechen. Genau wie Baumgartlinger vermittelt der 32-Jährige viel Ruhe und bringt auch noch mehr Erfahrung mit. Waren seine Vorstellungen in der Koller-Anfangszeit noch etwas verhalten, so ist Almer mittlerweile ein echter Ruhepol und ein sicherer Rückhalt geworden. Bei den 'Violetten' ist er gleich nach seiner Verpflichtung im Sommer 2015 zum Kapitän aufgestiegen und hat die Austria auf den dritten Tabellenplatz (Europa-League-Qualifikation) geführt. Seit seinem Wechsel nach Österreich wirkt er außerdem viel souveräner und mit mehr Selbstvertrauen geschmückt als zuvor.

Auch er war bei der Europameisterschaft ein verlässlicher Tormann, brachte Cristiano Ronaldo so nebenbei zur Verzweiflung und war damit einer von wenigen mit Normalform. Wurde er anfangs noch stark kritisiert für seine Nationalteam-Einsätze ohne Spielpraxis bei seinen Klubs, so ist er derzeit ganz klare Nummer eins im österreichischen Tor. Als Tormann hat man im Regelfall auch einige Jahre mehr vor sich und so wäre mit Almer auch ob der geringen nachrückenden Konkurrenz in den nächsten Jahre zu rechnen.

 

Zlatko Junuzovic:

Der Kicker vom SV Werder Bremen ist auch ein Kämpfer vor dem Herrn. Zahlreiche Scorerpunkte von 'Zladdi' sicherten den Norddeutschen den Klassenerhalt in der deutschen Bundesliga. Bei den Bremern ist er auch Vizekapitän hinter Clemens Fritz. Wenn Fritz fehlt springt Junuzovic als Kapitän ein. Letzte Saison war dies vier Mal der Fall. Also bringt auch der 28-Jährige die nötige Erfahrung mit diesem Amt mit. Alter und Länderspielerfahrung liegen in Baumgartlingers Bereich. Auch dass ohne ihn im Nationalteam viel weniger funktioniert, zeigt wie wichtig er für das Spiel und den Erfolg des ÖFB-Teams ist.

Doch auch wenn Junuzovic einer der wichtigsten - wenn nicht der wichtigste - Spieler im Team ist, so hat man das Gefühl, dass er nicht der absolute Leader dieser Mannschaft ist. Er hat definitiv was zum Sagen, aber er hat nicht das alleinige Sagen bzw. die Führung, wenn es um Entscheidungen geht. Es zählt aber natürlich wie bei allen anderen Kandidaten zur Kategorie "jammern auf hohem Niveau". Drauf haben sie es alle, es geht nur darum die optimalste aller Lösungen zu finden.

 

Marc Janko:

Für den Stürmer vom FC Basel spricht, dass er Erfahrung und eine hohe Intelligenz mitbringt. Janko war bereits von 2010 bis 2012 Kapitän des ÖFB-Teams und danach Vizekapitän hinter Fuchs. Also an diesem Kriterium scheitert es bei ihm damit sicher nicht. In der EM-Qualifikation war der 33-Jährige auch mit den meisten Toren entscheidend am Erfolg beteiligt. Vor der EM stoppte ihn aber eine Verletzung, die er bis zur Endrunde mitnahm und ihn somit von seiner Bestform abhielt. Janko als Kapitän wäre eine souveräne Wahl und würde keine große Veränderung bedeuten. Er kann ja nachweislich mit der Aufgabe umgehen.

Dagegen spricht jedoch sein hohes Alter und dass man nicht weiß, wie lange er noch dabei sein wird bzw. wie lange er noch die nötige Leistung im Nationalteam bringen kann. Es wäre wichtig eine klare Richtung für die Zukunft zu geben und da wird er auf Dauer auf der Strecke bleiben, auch wenn es ihm nicht zu wünschen wäre, aber die Gefahr besteht. Der 1,96-Meter-Mann wird auch keine großen Ansprüche stellen. Sollte Koller jedoch an ihn herantreten, dann wäre auch seine Wahl eine vernünftige Entscheidung. Er kann das Team allemal als Kapitän anführen.